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Auto als Backofen

Quelle: Dr. Andrew Grundstein/ Gefahrenzonen angepasst

Von Mathias Beyer, tierpost 01/2017. Liebe Tierhalter, wir alle kennen das: Der Winter war lang und hart, die Nächte noch länger, und das Quecksilber stagniert im Keller des Thermometers. Doch nach dem Winter folgen bekanntlich Frühling und Sommer mit deutlich milderen Temperaturen, mehr Sonnenschein, und es erwacht auch die Lust sich gerne wieder im Freien aufzuhalten. Zunächst – ob der Temperaturen unsicher – nehmen wir etwas dickere Kleidung mit und entledigen uns dieser, falls es uns doch allzu warm wird. Man geht mit dem Hund eine Runde spazieren und denkt sich auf dem Rückweg: „Ich könnte noch schnell einkaufen gehen“. Weil aber beispielsweise Lebensmittelgeschäfte das Mitführen von Hunden untersagen, ist es oft bequem den Hund „nur kurz“ im Auto zu lassen. Das mag bei winterlicher Witterung nicht so das allzu große Problem sein, kann aber bereits im Frühling (und generell ab Temperaturen von 20°C) verheerende Folgen haben.

Denn wie in der beigefügten Tabelle ersichtlich, sind 20°C Außentemperatur bei einer Verweildauer von einer Stunde lebensgefährlich für unsere vierbeinigen Mitfahrer. Anders als beim Menschen erfolgt die Wärmeregulation bei Hund und Katze nicht oder nur zu einem sehr geringen Prozentsatz über das Schwitzen, sondern vornehmlich über das Abatmen oder Hecheln von warmer Luft. Da mag es auch einleuchten, dass ein Spalt weit geöffnetes Fenster nicht für eine adäquate Luftzirkulation ausreicht, um unsere Vierbeiner wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Ein im Schatten geparktes Auto bietet vielleicht kurzzeitigen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung – heizt sich aber dennoch auf und ist daher genauso verkehrt wie ein minimal geöffnetes Fenster.

Außerdem bleibt die Sonne nicht permanent an Ort und Stelle, sondern sie wandert von Ost nach West; so verlagert sich auch zwangsläufig ihr Schatten. Ein PKW, der zunächst an einem lauschigen Plätzchen geparkt wurde, kann binnen Minuten von der prallen Sonne betroffen sein und wird somit im Nu zum lebensbedrohlichen Backofen.

Wie erkennen Sie also, ob Gefahr im Verzug ist?

Sehen Sie eine gesteigerte Atemfrequenz bzw. Hecheln? Die normale Atemfrequenz von Hunden liegt bei 20-40 Atemzügen pro Minute. Eine Steigerung dieser kann auf ein vorhandenes Temperaturproblem hinweisen. Können Sie einen Blick auf die Schleimhäute des Tieres werfen? Diese sollten normalerweise rosafarben sein. Bei Übertemperatur bzw. Schock können diese aber hochrot erscheinen. Zeigt der Hund neurologische Ausfallserscheinungen? Das heißt: Liegt er krampfend auf der Seite, oder können Sie nur noch „Zuckungen“ wahrnehmen. Dann ist es allerhöchste Eisenbahn!

Was ist zu tun?

Befindet sich das Tier Ihrer Einschätzung nach in einer Gefahrensituation, ist aber noch ansprechbar, informieren Sie umgehend die Polizei, und versuchen den KFZ-Halter ausfindig zu machen. Sind Sie sich unsicher, wählen Sie die Notrufnummer der Tierrettung München (01805843773), gehen Sie beispielsweise in ein Geschäft, in dem Sie den Fahrzeughalter vermuten und lassen ihn ausrufen. Ist der Hund nicht mehr ansprechbar und reagiert auch nicht auf Klopfen an die Scheibe, krampft, hat eventuell bereits Kot und Urin verloren, speichelt zusehends und hechelt stark - der KFZEigner aber nicht aufzufinden - bleibt als einzige Lösung, den Hund aus dem Auto zu befreien.

Der Hund ist befreit – wie können Sie helfen, was können Sie tun?

  • Bringen Sie das Tier an einen kühlen Ort (Schattenplatz, feuchtes Gras, kühles Kopfsteinpflaster)
  • Versuchen Sie kühles, NICHT eiskaltes Wasser und Tücher zu organisieren. Wickeln Sie diese um die Pfoten des Hundes, legen Sie sie zwischen die Oberschenkel. Bieten Sie dem Hund Wasser zum Trinken an. KEINESFALLS sollten Sie den Hund in eiskaltem Wasser baden, ihn damit übergießen oder es ihm in den Rachen einflößen!
  • Versuchen Sie dem Hund Luft zu zufächeln (mit einem Stück Pappe oder einem Handtuch, ggf. auch mit einem Taschenventilator)

Um es aber gar nicht erst so weit kommen zu lassen, tun Sie Ihrem Tier den Gefallen und bringen es vor dem Einkauf nach Hause. Oder informieren Sie sich über Unterbringungsmöglichkeiten, wie es zum Beispiel eine schwedische Möbelhauskette letztes Jahr angeboten hat: Hundeparkplätze – den Hunden wurde ein kühler Platz im Schatten mit ausreichend Frischluft, einer Liegefläche und frischem Wasser angeboten.

Und wem das nicht hilft, der möge sich bei moderaten 20°C einfach mit zugeknöpftem Pelzmantel (ein Kunstpelz tut es auch!), Mütze und Schal in sein Auto setzen und das Fenster ein wenig öffnen.

Ihr Vierbeiner und Ihr/e Tierarzt/Tierärztin werden es Ihnen danken.