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Die Welt in Schräglage Das Vestibularsyndrom

Ein Bericht von: Silvia Wagner

Am 29. September erhielt ich in unserem Büro der Tierrettung München den Anruf einer verzweifelten Hundebesitzerin, dass ihr Hund offenbar einen Schlaganfall erlitten habe. Seitdem sei der Hund desorientiert, er bewege sich unkoordiniert und würde seinen Kopf schief halten. Bereits durch die Beschreibung der Symptome am Telefon hatte ich meinen ersten Verdacht und machte mich umgehend auf den Weg.

Vor Ort angekommen, bot sich mir das klassische Bild eines sogenannten „Vestibularsyndroms“, oft gleichgesetzt mit einem Schlaganfall, jedoch anderen Ursprungs. Die ältere Schäferhündin lag geschwächt am Boden, hielt den Kopf schief und zeigte eine für die Erkrankung typische, rhythmische, horizontale Augenbewegung. Gefressen habe sie seither nicht und das Laufen falle ihr sehr schwer. Sie würde torkeln und fallen, inzwischen konnte sie schon gar nicht mehr aufstehen.

Das Vestibularsyndrom ist eine Erkrankung des im Innenohr liegenden Gleichgewichtsorgans bzw. von dessen Nerv, dem Nervus vestibulocochlearis. Die Ursachen sind oft entzündlich-, durchblutungs- oder altersbedingt. Sehr individuell und je nach Ursache, Schwere und Dauer der Erkrankung, ist auch die Prognose zu stellen. Die plötzlich eintretende Symptomatik kann – muss aber nicht vollkommen ausheilen. Man therapiert in erster Linie mit Medikamenten, die den Schwindel und die daraus resultierende Übelkeit reduzieren. Zum anderen können am Gehirn wirkende, durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden, die die Symptomatik eindämmen. Dieser Krankheitskomplex, der Tier und Tierhalter oftmals ohne Vorwarnung überfällt und sehr häufig Grund unserer Notfalleinsätze ist, ist bis zum heutigen Tag leider noch nicht hinreichend erforscht.