Logo Aktion-Tier - Tierrettung München e.V.
Notruftelefon: 01805 TIERRE 01805 84 3773* * 0,14 Euro/Min aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 Euro/Min aus dem Mobilfunknetz

Urlaubszeit – Reisezeit: Auch Krankheiten reisen mit Ehrlichiose

Ein Bericht von: Mathias Beyer

Die Ehrlichiose (auch als Zeckenfieber bekannt) ist eine durch Zecken übertragene Infektionskrankheit, die vor allem in Südeuropa verbreitet ist. Dies birgt vor allem für Hunde, die uns in die Ferien begleiten, ein nicht zu vernachlässigendes Risiko – genauso wie auch für Hunde, die im Ausland in Tierheimen gehalten werden und uns als Mitbringsel in heimische Gefilde begleiten.

Der Erreger der Ehrlichiose ist das Bakterium Ehrlichia canis. Ein Bakterium der Ordnung der Rickettsien, benannt nach seinem Entdecker dem deutschen Arzt Paul Ehrlich (1854-1915). Als Überträger dient die so genannte Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), welche vor allem im Mittelmeerraum verbreitet ist, sich aber mittlerweile auch nördlich der Alpen heimisch fühlt. Derzeit wird vermutet, dass als Hauptwirt die Zecke gilt und Hunde und Katzen nur als sekundäre Wirte fungieren. Diese werden über den Zeckenspeichel infiziert und das bereits kurze Zeit nach dem Biss. Ebenso kann eine Übertragung im Rahmen einer Bluttransfusion stattfinden, weshalb Tiere, die als Spendertiere fungieren und aus dem Mittelmeerraum oder Südostasien und Afrika kommen, zuvor getestet werden sollten. Eine Übertragung über den Mutterleib auf die Welpen ist dagegen bisher nicht bekannt. Der Einfachheit halber sei gesagt, dass diese Erkrankung vor allem bei Hunden und nur zu einem sehr geringen Teil bei Katzen vorkommt – jedoch auch dort vermehrt beschrieben wird (Schweiz, Finnland).

Krankheitsverlauf

Sobald die Zecke den Erreger an ein Tier abgegeben hat, verteilt sich dieser über das Blut, genauer gesagt in Monozyten und Makrophagen (Immunzellen/“Fresszellen“) und vermehrt sich innerhalb dieser Zellen. Ist dies geschehen, setzen sie sich an der Gefäßinnenseite in verschiedene Organe (Lunge, Niere, Hirnhäute und Zellen der Herzmuskulatur). Dort führen sie zu einer Entzündung der befallenen Gefäße, die mit Blutungen einhergehen können. Bei bereits vorgeschädigten Organen oder chronisch kranken Tieren nimmt die Ehrlichiose einen schwereren Verlauf als bei bis dato gesunden Tieren.

Symptome

Gliedert man den Verlauf der Erkrankung in mehrere Stadien, so sind für sie als Besitzer folgende Symptome ersichtlich bzw. feststellbar: In der akuten Phase (1.-4.Woche nach Infektion) sind die Patienten meist lethargisch, leiden unter Fieber (= Körpertemperatur über 39,2°C rektal gemessen), haben Gewichtsverlust, zeigen geschwollene Lymphknoten und Blutungen auf bspw. Mundschleimhaut (s.g. Petechien) oder Nasenbluten. Selten erbrechen die Tiere auch oder zeigen eitrigen Nasenaufluss und sind kurzatmig. All diese Symptome müssen nicht zwangsläufig auftreten. Die Erkrankung kann auch ohne diese Anzeichen verlaufen und in Folge dessen in ein chronisches Stadium übergeben. Im weiteren (chronischen) Verlauf der Erkrankung können die Tiere auf Grund einer Netzhautblutung akut erblinden, der Erreger in den Gelenken zu einer Entzündung führen oder auch neurologische Ausfallserscheinungen durch eine Hirnhautentzündung oder Hirnblutungen auftreten. Ein schwankendes Gangbild, Gleichgewichtsstörungen oder aber auch Ödeme an der Vorhaut des Rüden bzw. an den Hintergliedmaßen können zusätzlich auftreten.

Diagnose und Therapie

Sollten Sie den Verdacht haben, dass sich Ihr Tier mit diesem Erreger infiziert hat bzw. unter dieser Erkrankung leidet und zudem in wärmeren Regionen seinen Urlaub verbracht hat, sollten Sie alsbald einen Tierarzt aufsuchen. Dieser wird dann mittels Blutausstrich, einer sog. Titerbestimmung und Proben aus Milz und Leber den Verdacht erhärten können oder aber Entwarnung geben. Als Therapie werden verschiedene Antibiotika eingesetzt und gleichzeitig aber auch eine symptomatische Therapie eingeleitet. Prognostisch – und das zu ihrer Beruhigung – sind die Erfolgsaussichten zur Krankheitsbekämpfung gut, können aber auch in einzelnen Fällen tödlich verlaufen.

Prophylaxe

Da wir alle, also sowohl Ihr Tierarzt/ Ihre Tierärztin, als auch Sie selbst am Wohle Ihres Vierbeiners interessiert sind, sollten Sie vor der nächsten Reise gen Süden sich doch über diese und andere Reiseerkrankungen informieren. Denn man kann doch recht einfach gegen einen Zeckenbefall und den damit verbundenen Infektionen vorbeugen. Ein Absammeln von Zecken ist sicherlich das Mindeste, was man tun kann.

Sinnvoller sind aber sogenannte Spoton Präparate, welche auf die Haut der Hunde und Katzen aufgetragen werden können und so den Zeckenbefall deutlich minimieren. Die beste Alternative ist jedoch ein Urlaub in nicht betroffenen Regionen. Soll heißen: Fahren Sie mal in den Norden, da ist es auch schön – fast so schön wie in Bayern!