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Ein „Knötchen“ – ein Tumor?

Ein Bericht von: Tierärztin Nora Kraetzer

Abends beim Kuscheln mit dem Vierbeiner ertastet man auf einmal ein „Knötchen“, eine derbe Struktur am Bauch des Hundes. Im ersten Moment denkt man vielleicht noch an eine kleine Verletzung oder sucht eine andere Ursache. Wenn sich jedoch keine finden lässt, ist es auf jeden Fall ratsam, seinen Tierarzt aufzusuchen, lieber früher als später.

Leider ist es gar nicht so selten, dass unsere Vierbeiner Mammatumoren (Mamma = Milchleiste, vergleichbar „Brustkrebs“ der Frau) entwickeln. Von allen Tumorerkrankungen unserer Hunde ist der Mammatumor eindeutig einer der häufigsten. Bewusst wird gerade nicht von „Hündin“ gesprochen, da auch Rüden grundsätzlich daran erkranken können, nur weitaus viel seltener.

Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Mammatumors steigt ab dem 7. Lebensjahr, unmöglich ist er in jüngeren Jahren allerdings nicht. Im Durchschnitt erkranken Tiere im 10-14 Lebensjahr. Der Mammatumor hat viele verschiedene Erscheinungsbilder. Einfach unterscheiden wir gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumore. Weitergehend gibt es nach der neuen WHO- Klassifizierung 14 verschiedene Subtypen bösartiger Mammatumoren. Die Mehrzahl ist bösartig, was sich u.a. durch ein akutes Wachstum und die Invasivität in andere Gewebe auszeichnet.

Die sichere Diagnose

Um eine sichere Diagnose stellen zu können, ist die chirurgische Therapie meist unumgänglich. Je nach Einzelfall zu beurteilen ist, ob die gesamte Mammaleiste entfernt wird oder nur einzelne Komplexe oder Knoten. Allerdings sollte das entfernte Gewebe histologisch untersucht werden, um letztendlich aufgrund des Ergebnisses eine Prognose abgeben zu können. Wichtig ist neben der Chirurgie ebenfalls, im Körper Metastasen (verstreuter Tumor) zu suchen. Hierzu wird meist ein Röntgenbild der Lunge und, wenn nötig, ein Ultraschall des Bauches durchgeführt. Ebenso wichtig sind die Lymphknoten in den umliegenden Geweben; falls diese auffällig sind, sollten auch sie untersucht werden. Nach Vorliegen aller Ergebnisse kann Ihr Tierarzt beurteilen, wie die Prognose Ihres Vierbeiners aussieht. Die Möglichkeiten reichen von „geheilt“ (gutartiger, vollständig entfernter Tumor) bis sehr vorsichtig mit einer kurzen restlichen Lebenserwartung. Über die Sinnhaftigkeit einer Chemotherapie sollte man sich bei einem Spezialisten (Onkologen) beraten lassen.

Wie kann ich das Geschehen verhindern?

Das „Warum“ ist noch nicht vollständig geklärt, allerdings haben Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert wurden, ein signifikant geringeres Risiko, Mammatumoren zu entwickeln. Es gibt sogar Autoren, die davon sprechen, dass das Risiko eliminiert werden kann. Die Möglichkeit das Risiko zu senken, verringert sich mit jeder Läufigkeit. Die Kastration nach dem 2. bis 3. Lebensjahr hat keinen risikomindernden Einfluss mehr auf die Entwicklung bösartiger Tumoren, nur noch auf die gutartigen. Die Kastration zum Zeitpunkt der Tumorentfernung wirkt sich auf den weiteren Krankheitsverlauf weder positiv noch negativ aus. Allerdings wirken sich Hormonpräparate zur Läufigkeitsunterdrückung fördernd auf die Tumorentstehung aus. Zuletzt ist auch bei dieser Erkrankung der Einfluss von Übergewicht nicht zu unterschätzen.

Und die Katze?

Für die gilt grundsätzlich dasselbe, wobei hier die Krankheit weniger untersucht wurde. Die Kastration hat auch bei ihnen einen risikomindernden Effekt, allerdings nicht so signifikant, dafür aber auch bei älteren Katzen. Leider ist es bei den Samtpfoten so, dass ca. 80 % der Mammatumoren bösartiger Natur sind (vgl. Hund ca. 40 %). Außerdem ließ sich feststellen, dass vermehrt Siamkatzen Mammatumoren entwickeln. Unabhängig von der Tierart (auch Ratte, Meerschweinchen, Kaninchen) ist es empfehlenswert, einen Tierarzt zu konsultieren, um den weiteren Verlauf und die Möglichkeiten noch ausführlicher zu besprechen.