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Aufruf Münchner Tierschutzorganisationen: Keine Angst vor heimischen Schlangen!

Ein Bericht von: Patrick Boncourt und Lea Grünberg

Mit der warmen Jahreszeit strömen die Menschen nach draußen. Sie entdecken die Lust auf Gartenarbeit, Wanderungen, Grillen oder nehmen Sonnenbäder am „Flaucher“ oder im Englischen Garten. Doch dort kann es zu Begegnungen kommen, mit denen der Städter kaum rechnet: Schlangen.

Der Schrecken ist dann meist groß: Lebensgefahr? Entlaufene Königskobras oder gar Schwarze Mambas? Mitnichten! Es handelt sich um Lebewesen, die ganz natürlicherweise bei uns leben. Trotzdem werden viele Menschen beim Anblick unserer Schlangen schreckensbleich, weil sie diese Tiere kaum mehr kennen und bestimmen können. „Wenn die Temperaturen steigen und die Tiere sich in der Sonne aufwärmen, erhalten wir regelmäßig Anrufe von besorgten oder verängstigten Bürgern“, erklärt Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien, München e.V., „doch fast immer entpuppt sich die vermeintliche Kobra als einheimische Ringelnatter. Viele Leute wissen leider gar nicht mehr, dass es in Deutschland noch wildlebende Reptilien gibt“. Aus dieser Unkenntnis heraus werden Schlangen immer wieder eingefangen und sogar getötet. Dabei gibt es in Bayern wie im gesamten Gebiet der Bundesrepublik ohnehin nur wenige heimische Schlangenarten, die noch dazu allesamt als harmlos gelten. Gleich mehrere Tierschutzorganisationen der Stadt wollen den Menschen mit verschiedenen Angeboten die Angst vor diesen für die Biodiversität und die Natur wichtigen Tieren nehmen. So hat die Auffangstation für Reptilien, München e.V. auf ihrer Website www.reptilienauffangstation.de einen laienfreundlichen Schlüssel zur besseren Bestimmung von gesichteten und fotografierten Tieren online gestellt. Dieser enthält neben einer ausführlichen Beschreibung der einzelnen Arten auch Fotos, die die Identifizierung im Zweifelsfall erleichtern. Bei Fragen und Problemen kann man sich aber auch direkt an die Auffangstation wenden. Darüber hinaus arbeitet die Auffangstation für Reptilien schon seit mehr als zwei Jahren eng mit der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz e.V. in dem Bemühen zusammen, den Menschen die Scheu vor Schlangen und Spinnen zu nehmen – und zwar von klein auf.

Die Boa Constrictor Susi und die Vogelspinne Agathe 

Denn die Akademie für Zoound Wildtierschutz e.V. – 2010 vom Präsidenten der Tierrettung, Prof. Dr. Henning Wiesner und der Tierrettungs-Beirätin, Fachtierärztin für Zoo- und Wildtiere, Dr. Julia Gräfin Maltzan, ins Leben gerufen – bietet mit der Auffangstation für Reptilien, München e.V., dem Museumspädagogischen Zentrum München und dem Botanischen Garten ein ganz besonderes Programm für Kinder an: Sie vermittelt Grundschülern der Klassen 1 bis 4, wie unrecht Schlangen und Spinnen meist getan wird und wie nützlich und wichtig sie für das biologische Gleichgewicht der Erde sind. Immer mit dabei: Die Boa constrictor Susi und die Vogelspinne Agathe. Am Ende dieses ganz speziellen und erlebnisreichen Unterrichts, bei dem die Kinder auf sanfte und spielerische Weise an diese Tiere herangeführt werden, steht dabei immer das große Indianer-Ehrenwort, Schlangen und Spinnen ein Leben lang zu schützen – und zwar alle, auch die heimischen Arten. (Anmeldungen bitte bei der Zoopädagogin Susanne Schimpf unter schimpfsusanne[at] remove-this.googlemail.com).

Die Gründerin und Vizepräsidentin der Tierrettung, Dr. Evelyne Menges, die auch im Vorstand der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz ist, sieht in diesen Angeboten einen wichtigen Beitrag zum Tier- und Artenschutz: „Das Töten oder Stören dieser Tiere ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz untersagt. Aus gutem Grund: Sie sind als bedrohte Arten eingestuft. Wenn wir ihnen in den Isarauen oder an schönen Flecken begegnen, ist dies ein gutes Zeichen dafür, dass sie offenbar nun wieder eine Überlebenschance haben. Es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass diese Chance weiter wächst“.

Wenn die Schlange beißt...

Von Patrick Wagmeister. In Deutschland gibt es zwei Giftschlangenarten: Kreuzotter (Vipera berus) und Aspisviper (Vipera aspis); beide Schlangenarten sind zwar giftig, aber ein gesunder erwachsener Hund (Mensch) ist in den meisten Fällen nach einem Biss nicht in Lebensgefahr. Weitere in Europa heimische Giftschlangen: Sandviper, Stülpnasenotter (Vipera latastei), Levanteotter (Vipera lebetina), Kleinasiatische Bergotter (Vipera xanthina); (können teilweise stärkere Reaktionen auslösen, als die Kreuzotter, sind in Symptomen und Therapie aber gleich).

Der Biss einer Giftschlange hat verschiedene Auswirkungen – von einer harmlosen Beule bis hin zur starken Schwellung und heftigen Kreislaufproblemen (oft wird ein Schlangenbiss vom Besitzer gar nicht bemerkt, es fällt „nur“ eine Schwellung auf). Es sollte jedoch in jedem Fall unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden, um eine entsprechende Therapie einleiten zu können.

Erste Hilfe

  • Ruhe bewahren!
  • Das Tier bzw. die Extremität ruhig stellen (ggf. mit Schiene), aber keinen Druckverband anlegen!
  • Falls möglich: Bissstelle desinfizieren (ohne starken Druck auf Bissstelle auszuüben).
  • Kühlende Umschläge machen, aber kein Eis verwenden!
  • Wenn möglich, sollte das Tier getragen werden und sich so wenig wie möglich bewegen (eine Anstrengung würde eine schnellere Verteilung des Gifts im Körper begünstigen).
  • Wasser anbieten.
  • Sofort den nächsten Tierarzt aufsuchen!
  • Falls möglich: Aussehen der Schlange merken und dem Tierarzt genau beschreiben (wenn möglich, ein gemachtes Foto beilegen).

Was Sie auf keinen Fall tun sollten:

  • Extremität abbinden.
  • Unnötigen Stress oder unnötige Bewegungen machen.
  • Die Bissstelle nicht aussaugen bzw. ausdrücken (wirkungslos und kontraindiziert), nicht aufschneiden. Jegliche Manipulation an der Bissstelle unterlassen, da dies eine Verteilung des Giftes begünstigt.