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Ganzjahresfütterung für Vögel?

Ein Bericht von: Lea Grünberg und Dr. Sophia Engel aus tierpost 01/2016

Der Winter neigt sich dem Ende entgegen. Viele Menschen stellen die Fütterung der Vögel ein. Wieder andere schwören darauf, die kleinen Piepmätze auch im Sommer zu füttern. In der Frage, was richtig und was falsch ist, sind sich selbst Ornithologen nicht einig. Wer allerdings Vögel das ganze Jahr über mit Futter versorgen will, muss dabei einige wichtige Punkte beachten.

Es soll Menschen geben, die in grauen Wintertagen einen besonderen Zauber entdecken: die vielen Momente, in denen sich Dompfaffen, Meisen oder auch Kernbeißer vor ihren Fenstern im Futterhäuschen tummeln. Weil sie damit nicht nur den Tieren helfen, sondern auch sich selbst daran erfreuen können, gehen mittlerweile immer mehr Menschen dazu über, sich dieses Spektakel auch im Sommer nicht entgehen lassen zu wollen. Das Thema „Ganzjahresfütterung“ wird allerdings in Expertenkreisen sehr kontrovers diskutiert. Die Tierrettung München unterstützt mit der Tierpost den Landesbund für Vogelschutz (LBV), der auf seiner Homepage Argumente für und gegen die Fütterung von Vögeln auch im Sommer aufzeigt – und Tipps zum richtigen Umgang mit dem Thema gibt. Für die Ganzjahresfütterung spricht laut dem Artikel auf www.lbv-muenchen. de/ganzjahresfuetterung der enorme Rückgang des natürlichen Futterangebots durch Straßen- und Siedlungsbau, aber auch durch Monokulturen und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. In den Gärten ersetzen häufig Zierpflanzen und Exoten die oftmals als Unkraut verschmähten heimischen Pflanzen, die wichtige Nahrungsquellen für Vögel darstellten, so ist dort die Argumentation der Befürworter dargestellt. Blattläusen und Raupen werde mit der Chemiekeule zu Leibe gerückt. Die Futterstelle im Garten ersetzt also dieser Argumentation nach in gewissem Maße die verlorengegangene Vielfalt in der menschgeprägten Umwelt. Gerade zur Brutzeit halten die Befürworter die Fütterung für besonders wichtig. Denn so könnten die Elterntiere ihren eigenen Futterbedarf schnell und einfach an der Futterstelle decken und die so gesparte Zeit in die Suche nach Insekten zur Jungenfütterung investieren. Die oft geäußerte Befürchtung, die Jungvögel könnten mit für sie ungeeignetem Futter, wie z.B. Erdnussbruch, gefüttert werden und dadurch Schaden nehmen, scheint sich neueren Studien zufolge zumindest unter ansonsten günstigen Bedingungen nicht zu bestätigen, schreibt der LBV. Die Altvögel hätten nur dann vom Menschen gereichtes Futter an ihre Nachkommen verfüttert, wenn sie überhaupt keine natürliche Nahrung für ihre Jungen finden konnten. Um in einer solchen Notsituation geeignetes Aufzuchtfutter zur Verfügung zu stellen, kann man mit Insekten angereichertes Futter auslegen, empfehlen die Vogelschützer.

Gegen eine Fütterung von Vögeln das ganze Jahr über gibt es allerdings auch sehr gewichtige Argumente. Denn die menschliche Zufütterung kann keinesfalls eine ausgewogene, natürliche Nahrung ersetzen. Sie muss also als eine Art Nahrungsergänzung verstanden werden. Viele Arten beispielsweise, die im Winter gerne das im Vogelhäuschen angebotene Körnerfutter nehmen, ernähren sich im Sommer hauptsächlich von Insekten. Gewarnt werden muss auch vor dem im Winter so beliebten Fettfutter, das im Sommer zu gesundheitlichen Beschwerden bis hin zur Fettleber führen kann. Körner- und Fettfutter ist zudem für Jungvögel ungeeignet, weil sie es nicht umsetzen können. Sie brauchen für eine gesunde Entwicklung Insektennahrung. Ein sehr großes Problem bei der Ganzjahresfütterung stellt nach Ansicht von Vogelschützern aber auch die Verbreitung von Krankheitserregern dar: Aktuell kommt es beispielsweise jedes Jahr im Sommer zum sogenannten Grünfinkensterben – ausgelöst durch Trichomonaden, welche sich bei hohen Temperaturen an künstlich angelegten Futterplätzen perfekt ausbreiten können. Nahezu epidemische Ausmaße können aber auch Krankheiten einnehmen, die durch Erreger wie Salmonellen, Viren und Bakterien an Futter- und Wasserstellen im Sommer verursacht werden. Der LBV legt Vogelfreunden nahe, das penible und regelmäßige Reinigen der Futter- und Wasserstellen als Selbstverständlichkeit anzusehen.

TIPPS:

  • Anstelle von Zierpflanzen und weitläufigen Rasenflächen sollte man den eigenen Garten möglichst naturnah mit heimischen Pflanzen gestalten, die Vögeln häufig eine ideale Nahrungsquelle bieten.
  • Wer nicht auf die Sommerfütterung verzichten will, sollte bedenken, dass viele Vogelarten im Sommer eine andere Nahrung benötigen als im Winter. Also hier unbedingt genau informieren!
  • Wasser- und Futterquellen unbedingt regelmäßig reinigen – bitte nur mit heißem Wasser und einer Wurzelbürste, danach komplett durchtrocknen lassen, dadurch sterben zum Beispiel Trichomonaden ab. Bitte keine Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel verwenden: Deren Rückstände nehmen die Vögel beim Fressen auf!
  • Das Futter vor Regen und Nässe schützen, um die Verbreitung von Krankheitserregern weiter einzuschränken.
  • Vögel sind häufig „Frühaufsteher“, die Futterquelle am besten abends auffüllen. Keine Essensreste an Vögel verfüttern, vor allem salzhaltige Lebensmittel schaden Vögeln.
  • Vögel müssen den Bereich um die Nahrungsquelle gut überblicken können, um rechtzeitig die Flucht antreten zu können – zum Beispiel vor Katzen, die ein natürlicher Feind von Vögeln sind.
  • Durch eine Sommerfütterung werden möglicherweise größere Vogelpopulationen angelockt als sich natürlicherweise auf der Fläche ernähren könnten. Gerade während der Jungenaufzucht ist daher Verlässlichkeit wichtig. Die Vögel müssen dann auch während Ihres Sommerurlaubs kontinuierlich mit Nahrung versorgt werden! Ein Helfer muss also organisiert werden, der die Tiere während Ihrer Abwesenheit füttert und den Futterplatz sauber hält.