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Lebensbedrohliche Delikatessen

Am Nachmittag des 9. September rief mich eine aufgelöste Besitzerin mit bebender Stimme an, ihr Hund hätte gerade zwei der frisch angebratenen „Cordon bleu“ vom Tisch geschnappt und hastig verschlungen. Noch kam mir der Vorfall nicht sehr tragisch vor, bis die Besitzerin besorgt erzählte, das Fleisch sei mit metallenen Spießchen zusammengehalten gewesen.

Von Martin Zähringer. Sie hatte bereits die Wohnung nach ausgespuckten Spießen abgesucht. Leider Fehlanzeige! Der Berner Sennenhund-Mischling hatte also das leckere Essen mit „Haut und Haaren“, in diesem Fall metallenen Spießen, verschluckt. Nun klingelten natürlich alle Alarmglocken, um die Gefahr wissend was passieren könnte, wenn die Spieße sich durch Speiseröhre oder Magen bohren. Leider war ich gerade auf der anderen Seite der Stadt bei einem Notfall und benötigte dank einsetzendem Feierabendverkehr eine knappe Dreiviertelstunde zu diesem Notfall.

Glücklicherweise schien der Hund vorerst noch unbeeindruckt vom Metall in seinem Magen zu sein. Die Besitzerin zeigte mir einen der etwa zehn Zentimeter langen, spitzen Spieße. Die Herzkreislaufsituation des Patienten war gut, beim vorsichtigen Betasten des Bauches allerdings wurde ich mit einem tiefen Knurren seitens des Hundes bedacht. Das heißt, er hatte bei Druck bereits Schmerzen. Ich klärte die Besitzerin auf, dass das Tier sofort in die Klinik muss, auf jeden Fall müsse ein Röntgenbild gemacht werden und je nach Befund dann eine Endoskopie oder sogar eine Bauch-OP in Betracht gezogen werden. Gesagt, getan, hoben wir den Patienten vorsichtig in den Hundekäfig des Rettungswagens und machten uns auf den Weg in die chirurgische Tierklinik der Universität.

Dort angekommen, zeigten sich im Röntgenbild tatsächlich sechs, teilweise völlig verbogene, zerkaute Metallspieße. Nach Aufklärung seitens der Klinik über die Risiken dieses Notfalles, vor allem in Bezug auf die Fremdkörper und die Narkoserisiken, wurde eine Endoskopie unter Vollnarkose angeschlossen.

Die Spieße waren im Magen frei beweglich und nirgends in die Magenwand eingespießt, sodass die Endoskopie einigermaßen komplikationslos verlief. Alle sechs Spießchen erblickten nacheinander wieder das Tageslicht. Eine langwierige Operation mit eröffnetem Bauch blieb dem Hund deshalb zum Glück erspart. Nachdem er seinen Rausch von der Narkose ausgeschlafen hatte, konnte der Rüde wieder gesund entlassen werden.

Ich möchte Sie aus gegebenem Anlass darauf hinweisen, dass Tiere, v.a. natürlich Hunde und Katzen, wie Kleinkinder nie in der Küche unbeaufsichtigt sein sollten. Nicht jedes Fremdkörpergeschehen geht so glimpflich aus wie in diesem Fall. Gerade Hunde sind, was Essen angeht, manchmal regelrechte „Staubsauger“ und da sie eigentlich genau wissen, dass sie es nicht dürfen, schlingen sie geklautes Essen vom Tisch mit einem Happs herunter. Für Katzen stellen v.a. dünne Nähfäden eine große Gefahr dar. Diese werden meist mit Nadel verschluckt, wobei sich der Faden selbst um die Zunge wickelt oder die Nadel sich in die Zunge bohrt. Oftmals schließt sich dann eine komplikationsreiche OP am offenen Darm an, da sich der Faden nicht einfach wieder aus dem Maul entfernen lässt. Dieser würde die zarten Schleimhäute einfach durchschneiden, das Tier jämmerlich verbluten.

Deshalb mein Aufruf an Sie: Lassen Sie auch manchmal harmlos erscheinende Gegenstände nicht offen liegen; fällt Ihnen auf, dass zum Beispiel das Nähgarn oder die Spieße fehlen, gehen Sie lieber einmal zu oft zum Tierarzt als einmal zu wenig!