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Wegweiser für IgelfreundeErste Hilfe bei Igelfund

Von Dr. Sylvia Haghayegh. In der kalten Jahreszeit betreffen die häufigsten eingehenden Wildtieranrufe der aktion tier-Tierrettung München den Igeln und der Sorge um ihr Wohlergehen. Hier möchte ich einige Tipps zum Erkennen von hilfebedürftigen Igeln anbieten. Laut deutschem Bundesnaturschutzgesetz zählen Igel zu den besonders geschützten Arten. Es ist verboten, sie der Natur zu entnehmen oder ihre Nester zu zerstören. Das Gesetz erlaubt jedoch die Pflege kranker, verletzter und hilfloser Tiere. Sie müssen aber nach ihrer Genesung unverzüglich wieder in die Freiheit entlassen werden.

Hilfsbedürftige Igel sind:

Verwaiste Igel Sie irren pfeifend alleine umher. Man kann ihnen zunächst helfen, indem man draußen zufüttert und sie dabei weiter beobachtet. Sollten die Jungtiere weiterhin nicht eingerollt und alleine im Garten herumliegen oder sind sogar schon Fliegeneier auf ihnen zu sehen, brauchen sie unsere Hilfe. Wenn sie sich an der Bauchseite kühler anfühlen als die eigene Hand, dann sind sie unterkühlt und müssen mittels einer Wärmeflasche vorsichtig aufgewärmt werden. Umwickeln Sie dazu eine lauwarme Wärmeflasche mit einem Handtuch und setzen den Igel darauf. Decken Sie ihn mit einem weiteren Handtuch zu, damit er sich wohler fühlt und sitzen bleibt. Diese Jungen sollten dann fachmännisch, in einer Igelstation aufgepäppelt werden.

Verletzte Igel

Sichtbare Verletzungen wie Wunden, Bissverletzungen, Abszesse oder Knochenbrüche können meist ohne Probleme vom Laien erkannt werden. Diesen Igeln muss medizinisch geholfen werden. Hier ist der Gang zum nächsten Tierarzt, Tierheim oder Igelstation erwünscht, ja sogar lebensnotwendig.

Kranke und geschwächte Igel

Die Unterscheidung eines geschwächten von einem gesunden Igel bereitet offensichtlich vielen Findern Probleme. Ich hoffe, dass die folgenden Untersuchungsmethoden diesbezüglich ein wenig Erleichterung bringen.

Wie Sie einen kranken Igel erkennen können:

Kranke bzw. geschwächte Igel zeigen:

  • abnormes Verhalten wie schwankender und torkelnder Gang
  • geringe Reflexe, rollen sich kaum ein, sind apathisch
  • verklebte Augen und eitriger Nasenausfluss
  • eingefallene und schlitzförmige bzw. kaum sichtbare Augen (siehe Bild). Beim gesunden Igel sind die Augen rund und nach außen gewölbt, sie haben vorstehende Augen.
  • Atem- und Lungengeräusche, d.h., hörbares Rasseln und Röcheln beim Atmen. Gemeinsam mit Husten ist dies meist ein Hinweis auf starken Lungenwurmbefall.
  • Trockene, schuppige Haut mit krustigen weißen Belägen, oft mit nackten Hautbezirken (d.h. Stachelausfall oder leicht ausziehbare Stacheln). Diese Symptome können auf eine Hautpilzerkrankung/- infektion hindeuten. Vorsicht! Eine Pilzinfektion kann bei direktem Hautkontakt für Menschen ansteckend sein, darum beim Handling unbedingt Einmalhandschuhe tragen.
  • hochgradig abgemagerte Igel (diese waren über längere Zeit irgendwo eingesperrt oder sogar eingeklemmt). Sie zeigen beim Hochheben einen birnenförmigen Körper, da die Flanken eingefallen sind.
  • Kotabsatz schleimig, wässrig stinkend oder sogar blutig
  • Starker Befall mit Flöhen, Zecken oder Fliegeneier (Ektoparasitenbefall). Auf die Behandlung wird unten im Text genauer eingegangen.

Ungeziefer (Ektoparasiten) und ihre Behandlung:

Fliegeneier und -Maden:

Fliegeneier sind stippchenartige weißgraue Gebilde, die vom Ungeübten und Unerfahrenen schon mal mit Sägemehl verwechselt werden können. Sie werden hauptsächlich in Wunden gefunden. Bei geschwächten Igeln befinden sie sich hauptsächlich in Körperöffnungen z.B. Augen, Nase und Ohren. Bitte auch den Igel im Bauchbereich nach Fliegeneiern absuchen, denn bei starkem Befall können sie auch am After und in den Beinbeugen zu finden sein. Die Fliegeneier an sich verursachen am Tier noch keinen Schaden. Man sollte sie jedoch schnellstmöglich entfernen, denn bereits nach 1-2 Tagen entwickeln sich aus diesen Eiern dann die Maden. Diese Maden können über die offenen Wunden sehr leicht in die tieferen Schichten des Körpers eindringen und so lebensbedrohliche Verletzungen bewirken. Fliegeneier und -maden entfernt man manuell mit einer Pinzette.

Flöhe

Die Flöhe befinden sich im gesamten Stachelkleid. Sie halten sich jedoch auch in der Umgebung der Tiere (Igelhaus, Zeitungsunterlage usw.) auf. Bitte verwenden Sie nur ein Flohspray, das Sie sich vom Tierarzt ausdrücklich für die Anwendung am Igel besorgt haben. Gut geeignet ist z.B. Bolfo- Flohspray (Vorsicht! Kein Frontline- Spray anwenden). Geschwächte Tiere oder gar noch verwaiste Junge dürfen auf keinen Fall schon mit einem Flohspray oder einem anderen Insektizid behandelt werden. Hier wird der Tierarzt individuell, je nach Gesundheitszustand jedes einzelnen Tieres, über eine Ektoparasitenbekämpfung entscheiden.

Ernährungstipps für die Erstversorgung

  • Ein Ei, entweder hart gekocht oder als Rührei mit etwas Öl zubereitet.
  • Igeltrockenfutter
  • Katzentrockenfutter
  • Katzendosenfutter (mischen Sie etwas Haferflocken darunter, dann wird diese Ration den Katzen in der unmittelbaren Nachbarschaft nicht mehr so schmackhaft erscheinen)
  • mischen Sie auch etwas Erdnussbruch darunter
  • immer frisches Wasser dazu anbieten (keine Milch, da sie Durchfall verursacht)

Sollte der Igel stark geschwächt oder noch sehr klein sein, so wird er das Trockenfutter nicht annehmen bzw. nicht kauen können. In diesem Falle können Sie ihm ein weiches, matschiges Rührei anbieten. Für eine längerfristige Fütterung setzen Sie sich mit einem Experten in Verbindung.

Winterschlaf

Igel, die im Spätherbst mind. 1000 g wiegen, haben die besten körperlichen Voraussetzungen, um in den Winterschlaf zu gehen. Igel mit einem Gewicht von ca. 500-700 g müssen noch an Gewicht zulegen. Igel ernähren sich in der Natur von Insekten wie z.B. Käfer, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken und Spinnen. Um am Boden noch genügend Insekten zum fressen zu finden, sind sie auf einen milden Herbst angewiesen. Sollten Sie also solch einen unverletzten Igel finden, der sich noch ein Fettpolster zulegen will, sollten Sie ihn auf gar keinen Fall stören, geschweige denn mitnehmen. Wenn Sie ihm was Gutes tun wollen, dann bitte draußen zufüttern.

Igel, die bei Wintereinbruch unter 500 g wiegen, können nicht in der freien Natur überwintern. Sie brauchen zum Überleben menschliche Hilfe. Tiere, die jedoch bei Schnee und Frost tagsüber umherirren (unabhängig vom Gewicht) müssen aufgenommen und versorgt werden.

Igelschutz im Garten:

  • Schaffen Sie Durchgänge zu anderen Gärten! Als Umzäunung eines Gartens eignen sich Hecken und Jägerzäune. In grobmaschigem Draht können sich Igel verfangen. Stütz- und Gartenmauern sollten Durchschlüpfe haben.
  • Kein Einsatz von Gift! Verwenden Sie nur ökologisch verträgliche Mittel. Komposterde, Rindenmulch und andere natürliche Dünger schaden keinem Tier und erfüllen den gleichen Zweck.
  • Pflanzen Sie nur einheimische Stauden und Gehölze! Exotische Pflanzen sind meist ohne Nutzwert für unsere heimische Tierwelt.
  • Bieten Sie Nistmöglichkeiten an! Ein regendichter Reisighaufen in einer Gartenecke bietet Schutz. Türmen Sie Reisig, Äste und trockenes Laub und überspannen Sie den Haufen mit einer Plastikfolie. Die Eckzipfel beschweren Sie mit Steinen. Richten Sie Wasserstellen ein! Füllen Sie standfeste Schalen mit Wasser und platzieren Sie diese im Garten.
  • Mähen Sie immer nur einen Teil des Gartens! An Gartenrändern und an Gebüsch sollte gar nicht gemäht werden.
  • Vorhandene Unterschlüpfe behalten! Dichte Hecken, Laub- und Komposthaufen, Hohlräume in Holzstapeln oder Steinhaufen werden von Igeln als Schlupfmöglichkeiten bevorzugt.