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Warum frisst mein Haustier nicht?

Ein Bericht von: Daniel Prengel

Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla und Degu müssen permanent Nahrung aufnehmen, um den Nahrungsbrei im Magen-Darm-Trakt weiter zu bewegen. Findet diese „Vorwärtsbewegung“ nicht statt, so kommt es zu Fehlgärungen und einem Verschieben der Darmflora.

Fehlende Futteraufnahme (Anorexie; altgriechisch: Appetitlosigkeit) bei den oben genannten Tierarten ist ein häufiges Problem, welches sich binnen kürzester Zeit zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln kann. Nehmen Kaninchen und Co. nicht permanent Futter auf, „entgleist“ der Magen- Darm-Trakt und es kommt zu gefährlichen Verschiebungen der Bakterienkulturen im Verdauungstrakt. Anorexie ist sehr unspezifisch. Die Ursachen liegen in 90% aller Fälle in „falsch“ wachsenden oder zu langen Zähnen und in 10% der Fälle im Verdauungstrakt oder anderen Körperorganen. Man unterscheidet zwischen Nicht-Fressen-Können (Pseudoanorexie) und Nicht-Fressen-Wollen (Anorexie). Kann Ihr Heimtier nicht fressen, zeigt aber dennoch Interesse am Futter, so liegt dies im Allgemeinen an Entzündungen oder Schmerz im Kopfbereich bzw. fehlerhaft gewachsenen Zähnen. Das Tier ist unfähig, Futter aufzunehmen, zu schlucken oder zu kauen.

Pseudoanorexie tritt meistens in Folge einer falschen Fütterung auf. Bei vielen Heimtieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla und Degu) wachsen die Schneide- und Backenzähne lebenslang. Sind diese zu lang, stellen die Tiere die Futteraufnahme ein, weil Zahnspitzen in die Schleimhaut pieken und zu Entzündungen und Schmerzen führen. Außerdem bilden sich Wurzelentzündungen aus. In Folge dessen können sich Abszesse bilden, die die Situation noch verschlimmern. Typisch für diese Heimtiere ist, dass sie Appetit zeigen, aber dennoch nicht fressen wollen, sie hartes Heu vermeiden und weiches Futter bevorzugen und sie sich mit viel Appetit auf die Zwangsfütterungsspritze „stürzen“. Vorbeugen kann man dem nur durch richtige Fütterung, und das ist gar nicht so schwer. Prinzipiell muss nur Heu gefüttert werden. Heu ist sehr rohfaserreich und dadurch sehr energiearm. Die Tiere müssen andauernd fressen, um ihren Tagesenergiebedarf zu decken.

Durch diese permanente Aufnahme von Heu werden die Zähne abgeschliffen und ein übermäßiges Längenwachstum verhindert. Außerdem ist die Rohfaser optimal auf den Magen-Darm-Trakt eingestellt und bietet den „guten“ Bakterien optimale Verdauungsbedingungen. Natürlich kann nicht verhindert werden, dass die Zähne ab und zu vom Tierarzt gekürzt werden müssen, aber die Intervalle lassen sich verkürzen. Sie können Ihrem Heimtier auch mal was Gutes gönnen und die von Zoofachgeschäften fälschlicherweise als Alleinfuttermittel angebotenen Körnermischungen gelegentlich anbieten. Hier gilt, dass nicht mehr als ein Teelöffel pro Tier und Tag gegeben werden soll. Möchte Ihr Tier nicht fressen und zeigt auch kein Interesse am Futter, liegen die Probleme außerhalb des Kopfes. So können Aufgasungen, Überladungen, Verschlüsse oder Entzündungen im Magen-Darm-Trakt bzw. Schmerzen jeglicher Art, zum Beispiel durch Blasensteine, Fieber oder Untertemperatur der Grund sein. Häufig berichten die Besitzer auf Nachfrage, dass sich das Tier schon Tage vorher zurückgezogen, weniger bewegt und apathisch gewirkt hat.

Schlimme Schmerzen können Entzündungen im Harntrakt verursachen. Die Tiere knirschen mit den Zähnen oder äußern sogar Schmerzlaute beim Harn- oder Kotabsatz. Ebenso schmerzhaft sind entzündliche oder tumoröse Veränderungen an der Gebärmutter oder den Eierstöcken. Kaninchen und Nagetiere können nicht erbrechen, empfinden aber durchaus das Gefühl von Übelkeit. Diese kann bei fortgeschrittenen Erkrankungen der Leber auftreten und ist in diesem Fall nicht therapierbar. Ebenfalls tritt Übelkeit bei Darmverschlüssen auf, die gekennzeichnet sind durch Aufgasungen des Bauches, fehlender oder eingeschränkter Nahrungsaufnahme und vermehrter Wasseraufnahme. Im Zuge diverser Erkrankungen tritt Untertemperatur oder Fieber auf, was auch zu eingeschränkter Futteraufnahme führt. Infektiös entzündliche oder tumoröse Prozesse in der Lunge führen zu Atemnot und einer schnellen Verschlechterung des Allgemeinbefindens.

Auch hier wird die Futteraufnahme eingestellt oder eingeschränkt. Kaninchen und Nager zeigen erst im fortgeschrittenen Stadium Krankheitssymptome, um nicht aus der Gruppe verstoßen oder Opfer von Beutetieren zu werden. Daher ist ein verändertes Futteraufnahmeverhalten ein eindeutiges Indiz, sofort den Tierarzt aufzusuchen.

Bereits nach kürzester Zeit nach Beginn einer Anorexie kommt es „zur inneren Vergiftung“ der Tiere und einem schnellen Tod.

Eine Notfallmaßnahme, die von jedem Besitzer durchgeführt werden kann, ist die Zwangsfütterung. Hierfür gibt es im Fachhandel angebotene Fertigmischungen, die sehr rohfaserreich und optimal auf die im Magendarmtrakt von herbivoren Heimtieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Chinchilla, Degu) lebenden natürlichen Bakterien abgestimmt sind. Lassen Sie sich beim nächsten Tierarztbesuch die regelgerechte Zwangsfütterung erklären. So kann im Notfall die Zeit bis zum nächste Tierarztbesuch überbrückt und die gefährliche Dysbakterie (Veränderung des Gleichgewichtes im Magen-Darm-Trakt hin zu den „schlechten“ Bakterien) verhindert werden.