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Fettleibigkeit bei unseren vierbeinigen Freunden

Die Fettleibigkeit bei Tieren gehört genauso zu den Zivilisationserkrankungen wie bei uns Menschen. Etwa jeder dritte bis vierte Hund und Katze ist übergewichtig. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Ein reichliches Nahrungsangebot gekoppelt mit wenig Bewegung, Kastration, genetische Einflüsse, hormonelle Erkrankungen, bestimmte Medikamente usw. können die Ursachen sein. Obwohl sich Übergewicht sowohl auf Lebensqualität als auch auf Lebenserwartung negativ auswirkt, übersehen es viele Besitzer beim eigenen Tier oder sehen es nicht als Problem an.

Die gesundheitlichen Risiken sind dabei genauso vielfältig wie die Ursachen: Leistungsschwäche, Herz und Kreislaufprobleme, Beeinträchtigung der Atmung, Probleme mit dem Bewegungsapparat, Zuckerkrankheit, Fettleber, Krankheiten der Harnableitenden Wege, Bettnässen, Verstopfung, Hautprobleme etc. Beim Tierarzt, bei dem sie übrigens nur selten wegen ihrer Fettleibigkeit vorgestellt werden, haben dicke Haustiere weitere Nachteile: sie sind schwieriger zu untersuchen, die Medikamente verteilen sich in ihrem Körper anders, die Operationen dauern länger und haben ein erhöhtes Risiko. Deshalb ist der erste Schritt zur Bekämpfung: sich des Problems bewußt werden. Ob Ihr Haustier die „optimale Figur“ hat, können Sie leicht selber überprüfen: können Sie die Rippen nicht sehen aber doch gut tasten, so hat ihr Tier sein Idealgewicht. Bei untergewichtigen Tieren sind Rippen und andere knöcherne Vorsprünge mit bloßem Auge leicht erkennbar. Bei übergewichtigen Tieren dagegen kann man die Rippen nur schwierig ertasten (je dicker die Fettschicht, umso schwieriger).

Meistens trifft Fettleibigkeit Tiere im mittleren bis fortgeschrittenen Alter. Sie ist jedoch häufig die Folge von leichtem Übergewicht, welches schon bei Ende des Wachstums bestand. Der bedeutendster Faktor ist Bewegungsarmut, zumindest im Verhältnis zu den aufgenommenen Kalorien. Regelmäßiges und ausreichendes Gassigehen kann vorbeugen, vor allem wenn prädisponierende Faktoren wie Kastration oder bestimmte Rassenzugehörigkeit (z.B. Labradore) schon vorhanden sind. Durch Hormon und Stoffwechselumstellung ist das Adipositasrisiko bei kastrierten Hunden doppelt so hoch. Dies spricht keineswegs gegen die Kastration, sollte den Hunde und Katzenbesitzern aber bekannt sein, damit einer unnötigen Gewichtszunahme durch Anpassung der Futtermenge bzw. sorte und genügend Auslauf vorgebeugt werden kann.

Als Erbe vom Wolf, veschlingen die meisten Hunde bei der Futteraufnahme soviel wie sie nur aufnehmen können. Ausserdem hat die Nahrungsaufnahme wichtige soziale Aspekte. In Gruppenhaltung versuchen manche Tiere aus Neid möglichst viel in sich reinzustopfen. Andere versuchen durch Betteln dem Alphawolf, also dem wichtigsten Rudelmitglied und somit dem Frauchen oder Herrchen, in der Hierarchie näher zu kommen. Leider fällt es uns verständlicherweise sehr schwer dem Blick zu widerstehen, so dass viele Hundebesitzer nachgeben und die Zuneigung des treuen Freundes mit Futter, Leckerlies etc. belohnen. Dabei unterschätzt man gerade bei den auf den Tag verteilten und unkontrolliert zwischendurch gegebenen Leckerlies, die ja nur so klein sind, die Menge und den Energie bzw. Fettgehalt.

Gewichtsreduktion ist schwieriger als das Vorbeugen von Übergewicht, denn es entwickelt sich häufig ein Teufelskreis. Die Tiere bewegen sich weniger, vor allem wenn sie zusätzlich unter Erkrankungen leiden, die durch die Leibesfülle verschlimmert werden wie z.B. Gelenk oder Herzprobleme. Dadurch nimmt auch ihr Energieverbrauch ab und sie nehmen bei gleicher Futtermenge weiter zu. Bei Übergewicht sollte also die Aktivität erhöht und die Futteraufnahme reduziert werden. Da die Aktivitätsteigerung aus besagten Gründen schwierig ist und vor allem bei Katzen die Möglichkeiten eingeschränkt sind, basiert die Gewichtabnahme auf Reduzierung der Energiebzw. Fettzufuhr. Wenn man jedoch einfach die Tagesration verkleinert, hat man das Problem eines hungrigen, bettelnden Vierbeiners, was man erfahrungsgemäß nicht lange durchhält, und riskiert gleichzeitig Nährstoffmangel. Man darf auch nicht eine zu drastische Gewichtsabnahme anstreben, da sie mit Gesundheitsrisiken verbunden ist. Fettleibige Katzen dürfen auf gar keinen Fall richtig hungern, da es bei ihnen zu einer gefährlichen Entgleisung des Leberstoffwechsels (Hepatolipidose) kommt. Deshalb brauchen vor allem sie wegen ihres wählerischen Fressverhaltens spezielle Diäten die trotzdem schmecken, was man mit hausgemachtem Futter kaum erreichen kann, weil Fett ein Geschmacksträger ist.

Deshalb lässt man sich am besten vom Tierarzt beraten und führt eine Gewichtsreduktion, vor allem bei alten oder kranken Tieren, unter tierärztlicher Kontolle durch. Dort wird Ihr Tier regelmäßig gewogen und je nach Gewichtentwicklung die Futtermenge angepasst. Die im Handel erhältlichen Light Futtersorten eignen sich eher zur Gewichtserhaltung bei Tieren, die leicht zunehmen. Zur Gewichtabnahme gibt es spezielle Diäten beim Tierarzt, die meistens einen hohen Faseranteil und geringen Kalorien bzw. Fettgehalt aufweisen. Ganz wichtig ist, dass der Vierbeiner keine zusätzlichen Tischreste oder Leckerlies bekommt. Diese sind sehr fett, weshalb sie ja so gut schmecken, was auch für Wurst, Käse etc. gilt. Ein Stück Käse von 50 g enthält 100 kcal, was einem Drittel des Energiebedarfs eines drei Kilo schweren Hundes ausmacht. Um unseren Liebling trotzdem belohnen zu können, sollte man bei Trockenfutter die Tagesration morgens ausmessen und dann einen Teil als Snack zwischendurch benutzen. Manche Hunde mögen auch knackiges Gemüse wie Karotten oder Zucchini. Alternativ kann man es mit einem Eiswürfel versuchen, den viele Hunde trotz „null Kalorie“ toll finden. Es müssen natürlich alle Familienmitglieder bei der Diät des Vierbeiners mitmachen und verstehen, dass Adipositas eine chronische Krankheit ist und selbst nach Gewichtsabnahme eine ständige Gewichts und Futterkontrolle notwendig ist. Übergewicht ist nicht nur ein Schönheitsfehler. Es ist ein gesundheitlicher Risikofaktor und senkt die Lebensqualität und die Lebenserwartung unserer Vierbeiner.