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Spielzeug, Kauknochen, Schweineohr... Verschluckt - was nun?

Ein Bericht von: Dr. Jane Radjai

Leider passiert es viel zu schnell - eben noch hat der Hund genüsslich auf seinem Kauknochen geknabbert und plötzlich ist der komplette Kauknochen verschwunden, im Hundemagen!

Wie das Schweineohr bei der kleinen Malteserhündin “Tinkerbell”. Da hilft dann auch kein Schimpfen und Schütteln, sondern nur überlegtes Handeln. Was als erstes zu tun ist, hängt davon ab was der Hund verschluckt hat.

  • Hat er etwas Verdauliches verschluckt, z.B. Kauknochen, Schweineohr, Hühnerknochen etc. so sollte zunächst abgewartet werden wie der Hund mit der schweren Kost zurechtkommt. Den Hund mit Medikamenten zum Erbrechen zu bringen, ist in so einem Fall nicht sinnvoll, da spitze Knochen die Speiseröhre schwer verletzen können.
  • Ist ein Spielzeug oder anderes unverdauliches Material (Plastiktüte, Büroklammer, Kronkorken, Wurstpelle etc.) verschluckt worden, kann ein vom Tierarzt ausgelöstes Erbrechen sehr sinnvoll sein, vorausgesetzt, die Fremdkörper- Aufnahme liegt nicht länger als zwei Stunden zurück. Liegt die Aufnahme schon länger zurück, so ist die Verdauung meistens schon so weit vorangeschritten, das ein Erbrechen das Corpus delicti nicht mehr zum Vorschein bringen wird.
  • Bei einer Giftaufnahme wird abhängig von der Art des Giftes ein Erbrechen als sinnvoll oder gefährlich eingeschätzt, denn ätzende Gifte wie Laugen oder Säuren können die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre stark verätzen, wenn sie wieder erbrochen werden. Sind hingegen Rattengift, Medikamente oder Pflanzenschutzmittel wie Schneckenkorn oder Organophosphate aufgenommen worden, so sollte der Hund schnellstmöglich dem Tierarzt vorgestellt werden. Dann besteht die Chance, dass das Erbrechen von der aufgenommen Substanz eine allzu große Giftaufnahme von der Magen-Darmschleimhaut in das Blut verhindert wird. Leider hilft auch die Medikamentenapplikation vom Tierarzt nicht immer, entweder der Hund erbricht den Fremdkörper oder das Gift nicht mehr oder er reagiert überhaupt nicht mit Erbrechen auf das Medikament. Dann muss eine Sonde in den Hundemagen geschoben werden, um mit viel Flüssigkeit eine Entleerung des Magens zu versuchen. Eine Darmspülung hilft auch die Giftaufnahme zu reduzieren.
    Gleichzeitig bekommt der Hund Infusionen und ausschwemmende Medikamente, damit das Gift möglichst rasch wieder ausgeschieden wird. Wenn das Gift bekannt ist, kann auch, soweit vorhanden, ein Gegenmittel gegeben werden. Die Gabe von Milch ist nicht hilfreich, um eine Resorption zu verhindern, besser ist die Gabe von Kohletabletten, die vorher in Wasser aufgelöst werden. Eine Röntgenaufnahme ist nur hilfreich wenn röntgendichtes Material verschluckt wurde wie z.B. Steine oder Metall. In so einem Fall kann einem das Röntgenbild zeigen, wo der Fremdkörper liegt und ob gehofft werden kann, dass er den Körper wieder auf natürlichem Weg verlässt. Plastikspielzeuge, Tennisbälle, Luftballons etc. sind auf Röntgenbildern leider nicht zu erkennen. Manchmal ist eine sogenannte Kontrastmittelpassage nötig: D.h. dem Hund wird eine weiße Paste (Bariumpaste) gefüttert, die auf dem Röntgenbild den Darm deutlich auskleidet und einem Hinweise geben kann, ob der Darm komplett durchgängig ist. Im schlimmsten Fall führt eine Fremdkörperaufnahme zu einem Darmverschluss. Der Hund ist sehr apathisch, verweigert die Futteraufnahme, erbricht und zeigt wenig oder keinen Kotabsatz. Ein Darmverschluss stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Eine Operation ist dann unumgänglich!

Um eine Fremdkörperaufnahme zu verhindern, ist eine ausreichende Erziehung des Hundes von Nöten, was leider bei jungen neugierigen Hunden oft nicht gegeben ist.

  • In so einem Fall helfen nur einige Vorkehrungen, bis der Hund erfolgreich erzogen ist: Alle Medikamente außerhalb der Reichweite des Hundes aufbewahren (Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol können für das Tier sehr gefährlich werden) Müllsäcke oder -eimer, selbst wenn diese keine Essensreste enthalten (auch Wurstpellen riechen gut...) so verstauen, dass sie nicht von Hundeschnauze oder -pfote geöffnet werden können
  • Keine Spielzeuge verwenden, die in gefährliche Kleinteile zerlegt werden können
  • Keine Knochen füttern
  • Kauknochen der Größe des Hundes angepasst füttern
  • Keine Steine als Wurfspielzeug verwenden
  • Keine giftigen Substanzen offen stehen lassen wie z.B. Frostschutzmittel
  • Keine giftigen Pflanzenschutzmittel im Haus verwenden: Vor Kauf des Produktes immer auf der Packung nachzulesen, ob es für Haustiere ungefährlich ist
  • Keine verdorbenen Lebensmittel verfüttern

Hat der Hund trotz aller Vorkehrungen doch mal was erwischt, so sollte der Tierarzt oder die aktion tier - tierrettung angerufen werden. Wenn der Hund Gift aufgenommen hat und Sie wissen welches, so halten Sie während des Telefonates die Packung parat.

Versuchen Sie nicht selbst Ihr Tier zum Erbrechen zu bringen! Stattdessen können Sie Kohletabletten verabreichen, welche Sie vorher in lauwarmes Wasser auflösen. Dosierung: vier Tabletten pro kg Körpergewicht. Da Ihr Hund diese Flüssigkeit nicht von selbst zu sich nehmen wird, verabreichen Sie die aufgelösten Tabletten dann am besten mit einer 10- oder 20 ml-Spritze (ohne Nadel!) direkt ins Maul. Ungeachtet aller Vorsichtsmaßnahmen kommt es immer wieder zu Fremdkörper- oder Giftaufnahmen auch bei erwachsenen und gut erzogenen Hunden! Geben Sie Ihrem Tierarzt so viele Informationen wie möglich, damit gezielt gehandelt werden kann. Je schneller dann reagiert wird, desto größer sind die Überlebenschancen!