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Und jährlich grüßt … die Herbstgrasmilbe!

Ein Bericht von: Mathias Beyer

Liebe Patientenbesitzer, das Jahr schreitet voran und so auch die parasitäre Belastung unserer Vierbeiner, aber auch von uns Menschen. Während im Winter kaum Stechmücken oder eher weniger Zecken vorhanden sind, gesellt sich im Verlauf des Sommers und des frühen Herbstes ein Parasit zu uns und unseren Haustieren: die Herbst(gras) milbe (Neotrombicula autumnalis).

Klein und mit bloßem Auge gerade noch so erkennbar, verursacht sie bei Tier und Mensch häufig lästigen Juckreiz und teils kahle Stellen im Fell unserer vierbeinigen Freunde. Wer aber genau ist dieser Parasit, wo kommt er her, was tut er und wie kann man gegen ihn vorgehen?

Verbreitung

Die Herbstgrasmilbe gehört zur Klasse der Spinnen und ist über den ganzen Erdball verbreitet, hat aber in den warmen und vor allem Sommermonaten Hochkonjunktur in Mitteleuropa. Sie treten vor allem in Gärten mit hohem Gras oder auf Wiesen auf. Wenn Sie wissen wollen, ob sich in Ihrem Garten Herbstgrasmilben befinden, können Sie einen weißen Teller oder ein weißes Blatt Papier schlicht ins Gras legen. Die Milben werden förmlich angezogen und lassen sich darauf nieder.

Aussehen

Mit bloßem Auge sind die Larven gerade noch so zu erkennen. Gelblich bis orangefarben, mit einer Größe von 0,3 mm und im Larvenstadium mit sechs Beinen; wohingegen die Nymphe oder die adulte Milbe acht Beine besitzt und mit einer Größe von 1-2 mm schon eher zu erkennen ist.

Lebenszyklus

Die geschlüpften Larven wandern auf Gräsern in einer Höhe von bis zu 20 cm und warten auf einen potenziellen, vorbeikommenden Wirt (Tier/Mensch), um sich auf ihm niederzulassen. Auf dem Wirt angekommen, suchen sich die Larven feuchtwarme Stellen und beginnen mit ihren Mundwerkzeugen die Haut zu öffnen. Dabei ernähren sie sich von Lymphe und Zellsäften. Die Nahrungsaufnahme dauert bei Fehlwirten (Mensch) nur wenige Stunden, kann aber beim tierischen Wirt mehrere Tage dauern. Haben sie ihre Nahrungsaufnahme beendet, lassen sie sich einfach ins Gras fallen und entwickeln sich über die Nymphe zum adulten Tier weiter, welches dann glücklicherweise keine „Gefahr“ für Mensch und Tier mehr darstellt.

Symptome

Menschen oder Tiere, die von Larven der Herbstgrasmilbe befallen werden, leiden häufig unter Juckreiz an den Stellen an denen die Tiere gesaugt haben, teilweise sind die Einstichstellen gerötet oder mit Quaddeln versehen. Die Symptome treten erst Stunden nach dem begonnenen Saugakt auf und können bis zu zwei Wochen anhalten, klingen dann aber rasch ab. Betroffene Stellen bei Hund und Katze sind vor allem die Zwischenzehenbereiche, Ohren und Nase, die Schwanzspitze und der Bereich um die Zitzen. Die Tiere leiden dann häufig unter Juckreiz und belecken oder benagen die befallenen Stellen. Beim Menschen spricht man von der sogenannten Heu- oder Erntekrätze.

Prophylaxe und Behandlung

Befinden sich Herbstgrasmilben in Ihrem Garten, wird es schwierig bis unmöglich diese loszuwerden. Nach aktuellem Stand der Dinge gibt es keine physikalischen, chemischen oder biologischen Mittel, die die Milben töten und die Umwelt nicht belasten. Eine sinnvolle Option ist jedoch das Gras relativ kurz zu halten und den Rasenschnitt über den Biomüll oder Wertstoffhof zu entsorgen. Umso wichtiger ist die Prophylaxe und Bekämpfung der Parasiten, wenn sie unsere Tiere befallen haben. Sollten Ihr Tier oder gar Sie selbst betroffen sein, wenden Sie sich an einen (Tier-) Arzt. Wirklich zuverlässig scheinen vor allem Pyrethroide wie Deltamethrin, Flumethrin und Permethrin zu sein, diese sind jedoch für Katzen hochgiftig bis lebensgefährlich(!).

Es wird davon abgeraten, sich Hausmitteln wie Knoblauch zu bedienen, welcher den Wirkstoff N-Propyldisulfid (genau wie alle anderen Zwiebelgewächse) enthält und zur Zerstörung der roten Blutkörperchen führt oder Teebaumöl, welches schwere allergische Reaktionen bei Hund und Katze hervorrufen kann. Generell gilt: Sollten Sie den Verdacht des Herbstgrasmilbenbefalls bei Ihrem Haustier haben, suchen Sie einen Tierarzt auf.