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Was ist das eigentlich? Distichiasis, ektopische Zilien, Trichiasis

von: Dr. Rebecca Werdelmann

Ratgeber Tiermedizin –

Drei Begriffe, die bei Hunden und Katzen zu Problemen mit den Augen führen. Um genau zu sein, geht es hierbei um die Haare, die im Bereich des Augenlids wachsen. Bei den drei oben genannten Begriffen wachsen bzw. entspringen Wimpern bzw. Haare, die ums Auge wachsen, unphysiologisch und irritieren in der Folge das Auge.

Per Definition handelt es sich bei der Distichiasis um zusätzliche wimpernartige Haare (Distichien), die aus den Talgdrüsen des Augenlids (den Meibomschen Drüsen) entspringen und meist in Richtung des Auges wachsen. Ektopische Zilien sind eine Variation der Distichiasis. Dies sind sogenannte versprengte Wimpern, die ebenfalls aus den Meibomschen Drüsen entspringen und durch die Bindehaut Richtung Auge wachsen. Bei der Trichiasis handelt es sich um Wimpern oder Haare im Bereich der Augen, die zwar einen physiologischen Ursprung aufweisen, jedoch im Verlauf Richtung Auge wachsen. Gründe für diesen unphysiologischen Verlauf können zum Beispiel Nasenfalten bei bestimmten Rassen, z.B. beim Mops oder Französische Bulldogge oder aber eine Fehlbildung des Augenlids (Entropium) sein.

Meistens treten diese sogenannten Wimpernanomalien bei Hunden auf, können jedoch selten auch Katzen betreffen. Häufig betroffene Hunderassen sind z.B.: Cocker Spaniel, Boxer, Collie, Pekinese, Mops, Shi Tzu, Sheltie und Tibet Terrier. Bei Katzen können alle Rassen betroffen sein, häufig zu finden ist die kopfformbedingte Trichiasis bei Persern und anderen brachyzephalen (kurzköpfigen) Rassen.

  • Epiphora: vermehrter Tränenfluss sowie Verfärbung der Haare im Bereich des Auges bedingt durch den vermehrten Tränenfluss.
  • Blepharospasmus: krampfhafter Lidschluss, Kneifen des Auges bedingt durch Schmerzen sowie Irritationen der Hornhaut bis hin zu Hornhautulzerationen (Hornhautverletzungen).
  • Konjunktivitis: Rötung und Entzündung der Bindehaut; Symptom, das bei klinisch relevanten Abnormalitäten der Zilien immer vorhanden ist.
  • Hornhautulzerationen: Hornhautverletzungen, die vor allem bei ektopischen Zilien vorkommen. Diese liegen meist exzentrisch und gegenüber des Ansatzes der Haare, welche die Verletzung verursachen. Meistens handelt es sich dabei um oberflächliche Verletzungen. Diese können sich jedoch, wenn sie unentdeckt bleiben, infizieren und zu tieferen Verletzungen werden.

Alle drei Krankheitsbilder haben gemeinsam, dass die Haare zu Irritationen am Auge und zu Verletzungen der Hornhaut führen können. Sie können ein Auge oder beide Augen betreffen und kommen sowohl am Ober- als auch am Unterlid vor, wobei das Oberlid öfter betroffen ist.

Wichtig ist, dass das Auge Ihres Tieres gründlich untersucht wird. Oftmals sieht man diese Haare nur mit Vergrößerung. Bei sehr wehrhaften Tieren ist sogar eine Sedation nötig. Werden die Haare, die das Auge irritieren nicht adäquat entfernt, so wird Ihr Tier immer wieder Probleme mit den Augen haben. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Methoden, wie diese Haare dauerhaft entfernt werden können. Die Wahl der Methode hängt einerseits von der Art der Anomalie sowie der Lokalisation ab. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Prognose bei korrekter Diagnose und adäquater Therapie als sehr gut anzusehen ist.