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Achtung Giftköder! Erkennen von Vergiftungserscheinungen

Ein Bericht von: Daniel Prengel

Richtig schwere Vergiftungen kommen unter normalen Umständen, wenn kein Vorsatz oder Unachtsamkeit im Spiel sind, sehr selten vor. Tückischer ist es allerdings, wenn sogenannte „Hundehasser“ Giftköder auslegen.

Meist verwenden die Täter Schneckenkorn oder Rattengift. Höchst giftige Substanzen also, die nicht selten eine tödliche Wirkung zeigen. Aber: Die unzähligen Giftmeldungen der vergangenen Wochen sollten allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass diese Meldungen oft von Menschen verfasst werden mit dem Ziel, die Hundebesitzer psychisch unter Druck zu setzen und zu ängstigen, damit sie bestimmte Gebiete zum Gassigehen weiträumig meiden. Vorsicht ist dennoch geboten: Schließlich ist es genauso schlimm, wenn auch nur eine von hundert Meldungen der Wahrheit entspricht und Ihr Hund betroffen wäre. Allgemeine Symptome einer Vergiftung können einzeln oder kombiniert wie nachfolgend benannt auftreten:

  • Unruhe
  • Erbrechen, das Erbrochene mit evtl. schaumiger Konsistenz
  • Durchfall
  • unregelmäßiger Herzschlag (Puls prüfen)
  • Atembeschwerden
  • blasses Zahnfleisch
  • ungewöhnliche Pupillengröße, entweder stark verengt oder auch erweitert
  • Blut im Urin
  • Blut im Stuhlgang
  • Krämpfe
  • Muskelzittern
  • absinkende Körpertemperatur
  • Apathie
  • Bewusstlosigkeit
    (Quelle: www.erste-hilfe-beim-hund.de)

Allerdings zeigen Rattengift und Schneckenkorn auch noch eine spezielle Symptomatik. Wird Rattengift eingesetzt, um Hunde mutwillig zu vergiften, ist dies besonders niederträchtig. Der Tierbesitzer wiegt sich zunächst in Sicherheit, weil keine „offensichtlichen“ Symptome erkennbar sind. Rattengift hat Einfluss auf die Blutgerinnung, allerdings nicht unmittelbar, sondern erst einige Tage danach. Folgende Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten:

  • Schwäche
  • Maulschleimhauteinblutungen
  • Blutiges Erbrechen
  • Blutiger Kot/pechschwarzer Kot
  • Atemnot, Husten (teils mit blutigem Auswurf)
  • Hauteinblutungen
  • Blutergüsse
  • Starkes Bluten bei kleinen Verletzungen oder Injektionen
  • Blutiger Urin

Neben Rattengift wird für Vergiftungsversuche oft auch Schnecken korn verwendet. Folgende Symptome können je nach Wirkstoff unmittelbar binnen einer Stunde oder binnen weniger Stunden bemerkt werden.

  • Bewusstlosigkeit
  • Kreislaufkollaps
  • Schwankender Gang; steifer Gang
  • Erregung
  • Krämpfe, Zittern
  • Vermehrtes Speicheln (zähflüssig), Erbrechen
  • Durchfall
  • Vermehrter Urinabsatz
  • Atemnot
  • Schneller Herzschlag, langsamer Herzschlag
  • Blaue Schleimhäute
  • Sehr weit gestellte Pupillen, sehr eng gestellte Pupillen

Wenn oben beschriebene Symptome auftreten, ist es wichtig zu hinterfragen, ob Ihr Tier vor kurzem etwas Verdächtiges gefressen hat. Nicht bei jedem Durchfall oder jedem Erbrechen bzw. bei Auftreten weiterer oben erwähnter Symptome muss eine Vergiftung die Ursache sein. Dennoch sollten sie sofort einen Tierarzt aufsuchen und ihm wichtige Eckpunkte für die Behandlung liefern. Ihr detaillierter Vorbericht kann ihm Aufschluss darüber geben, ob eine Vergiftung vorliegen kann. Verdächtig kann zum Beispiel sein, wenn an Orten, an denen normalerweise nicht gegrillt oder gepicknickt wird, Essensreste liegen oder diese sogar in kleinen Bröckchen weitläufig verteilt sind. Fällt Ihnen dann noch eine ungewöhnliche Verfärbung dieser Essenreste auf oder sehen Sie fremde Substanzen, die hineingedrückt worden sind, suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

Ist Ihnen bekannt, dass in Ihrem Gassigehgebiet bereits Vergiftungsfälle oder Vergiftungsversuche aufgetreten sind, können Sie bei Ihrem Tierarzt im Vorfeld ein auf das Gewicht Ihres Hundes dosiertes Brechmittel erwerben. Bei begründetem Verdacht können Sie dies dem Hund dann auch selbst verabreichen. Damit ersparen Sie Ihrem Vierbeiner den ständigen Gang an der kurzen Leine. Manchmal werden Köder auch mit Rasierklingen oder Nägeln präpariert. Dann dürfen Sie ihn auf keinen Fall Erbrechen bringen, weil damit sehr schwere Verletzungen verursacht werden können. Auch beim Verdacht der Aufnahme ätzender Substanzen auf keinen Fall Erbrechen herbeiführen.

Fazit: Wenn oben genannte Symptome auftreten, ist es wichtig, dem Tierarzt beim Vorstellen des Tieres einen möglichst detaillierten Vorbericht zu erstatten und möglichst eine Probe der potentiellen Giftsubstanz mitzubringen. Fassen Sie diese aber nie direkt an!