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Metaldehydvergiftung

Ein Bericht von: Dr. Elisabeth Wagmeister

Der Frühling steht unmittelbar vor der Tür! Um Pflanzen- und Blumenbeete vor gefräßigen Schnecken zu schützen, greifen leider noch immer viele Menschen zum gifitgen Schneckenkorn, um den unerwünschten Besuchern den Garaus zu machen.

Leider ist der giftige Wirkstoff nicht nur für die Schnecken gefährlich sondern auch andere Tiere fühlen sich von dem süßlichen Geruch angezogen. Im letzten Jahr wurden mehrere Vergiftungsfälle bei Hunden in München gemeldet. Vorsicht ist daher geboten.

Was ist Metaldehyd?

Metaldehyd findet hauptsächlich in Schneckenkorn Anwendung. Es gibt verschiedene Schneckenkornpräparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen auf dem Markt. Der Wirkstoff Metaldehyd ist für Vögel und Säugetiere und auch für den Menschen giftig.

Worauf muss ich achten? Wie erkenne ich eine Metaldehydvergiftung?

Erste Anzeichen einer Metaldehydvergiftung entstehen meist innerhalb einer halben Stunde bis zu drei Stunden nach Aufnahme. Die Tiere zeigen häufig Speicheln, Erbrechen und Durchfall. Blau oder blau-grüne Verfärbungen in Erbrochenem oder Durchfall können hinweisend für die Aufnahme von Schneckenkorn sein. Weitere Anzeichen einer Metaldehydvergiftung sind neurologische Symptome wie Zittern und Gangbildstörungen. In schweren Vergiftungsfällen kann das Zittern zu anhaltenden Ganzkörperkrämpfen fortschreiten. Die Ausprägung der klinischen Symptomatik ist individuell unterschiedlich und hängt vor allem von der aufgenommenen Giftstoffmenge ab. Bei kleinen Tieren kann durch das geringe Körpergewicht schneller eine hohe Giftstoffdosis im Körper erreicht werden.

Was kann ich tun?

Bei starkem Verdacht oder beobachteter Giftaufnahme beziehungsweise bei Auftreten der oben beschriebenen Symptome, sollte die Tierrettung verständigt oder ein Tierarzt aufgesucht werden.

Wie kann eine Metaldehydvergiftung behandelt werden?

Für den Giftstoff Metaldehyd existiert kein bekanntes direktes Gegenmittel. Sollte der Hund noch keine gravierenden Symptome aufweisen und ist die Giftaufnahme noch nicht allzu lange her, kann der Tierarzt medikamentös ein Erbrechen auslösen. Damit soll der Giftstoff weitestmöglich aus dem Verdauungstrakt entfernt werden, und es kann einem potentiell drastischen Krankheitsverlauf entgegengewirkt werden. In keinem Fall sollten Sie selbst versuchen, das Tier mit Hausmitteln erbrechen zu lassen! Sollte der Hund bereits deutliche neurologische Symptome zeigen, kann häufig kein Erbrechen mehr induziert werden, da das Komplikationsrisiko zu hoch wäre. Bei bestehenden Krampfanfällen benötigt Ihr Tier schnellstmöglich adäquate tierärztliche Versorgung. Es erfolgt eine Stabilisierung und Kontrolle der zum Teil lebensbedrohlichen Krampfanfälle. Während eines Anfalls sind die Tiere nicht bei vollem Bewusstsein und erkennen meist ihre Umgebung und auch ihre Besitzer nicht. Die Krämpfe können mit unkontrolliertem Schnappen verbunden sein. Daher achten Sie bitte auch auf Ihre eigene Sicherheit. Beim Anfassen der Tiere schützen Sie sich und das Tier beispielsweise durch Zuhilfenahme einer Decke. Je nach Schweregrad der Vergiftung müssen die Tiere nach der Erstversorgung in einer Klinik stationär aufgenommen, weiter behandelt und überwacht werden.

Fallbeispiele

Die Tierrettung München wurde zu einem Einsatz im Stadtgebiet München gerufen. Ein circa acht Kilogramm schwerer Mischlingshund verhielt sich kurz nach dem Gassigehen ungewöhnlich. Er war sehr unruhig, hechelte viel und zeigte phasenweise leichtes Zittern. Sonst bemerkte die Besitzerin keine Auffälligkeiten. Zu diesem Zeitpunkt war der Hund ansprechbar, hatte sich nicht erbrochen und keinen Durchfall. Die Besitzerin hatte während des Spaziergangs keine Aufnahme von Fremdmaterial beobachtet, eine Giftaufnahme konnte allerdings auch nicht ausgeschlossen werden. Bei Eintreffen der Tierrettung fielen in der Erstuntersuchung leichtes Zittern, zunehmend den ganzen Körper betreffend, leichte Gangbildstörungen und eine leicht erhöhte innere Körpertemperatur auf. Das Durchtasten des Bauchraumes war dem Hund unangenehm. Es bestand der Verdacht auf Giftaufnahme. Da der Hund noch bei ungetrübtem Bewusstsein und klinisch stabil war, wurde durch die Tierärztin ein Mittel verabreicht, um den Hund erbrechen zu lassen. In dem Erbrochenen konnten zahlreiche blaue Bestandteile festgestellt werden, und der Verdacht einer vorliegenden Metaldehydvergiftung durch die Aufnahme von Schneckenkornködern erhärtete sich. Die insgesamt aufgenommene Giftstoffmenge blieb unbekannt. Es wurde ein intravenöser Zugang gelegt, um bei Bedarf Medikamente entsprechend verabreichen zu können, und eine Infusion gegeben. Nach kurzer klinischer Besserung verschlechterte sich der Zustand des Hundes wieder, und die neurologischen Auffälligkeiten verschlimmerten sich. Es wurden krampflösende Medikamente verabreicht, die eine deutliche Besserung erreichten. Insgesamt verschlechterte sich der Allgemeinzustand weiter, und die Tierärztin brachte den Hund in den Rettungswagen der Tierrettung München. Auf dem Transport zur Klinik musste noch während der Fahrt eine Allgemeinanästhesie eingeleitet werden, da anderweitig die mittlerweile sehr starken und lebensbedrohlichen Krampfanfälle nicht zu kontrollieren waren. Bei Ankunft an der Klinik war der Hund stabil in Narkose und wurde an die Kollegen zur weiteren Versorgung übergeben. Der Hund musste intensiv behandelt und überwacht werden. Er überlebte die Vergiftung ohne Folgeschäden und konnte nach zwei Tagen klinischem Aufenthalt bei gutem Allgemeinbefinden wieder zu seinen Besitzern nach Hause entlassen werden.

Ein weiterer Schneckenkornvergiftungsfall wurde von der Tierrettung München behandelt, bei dem sich weniger starke Vergiftungssymptome entwickelten. Der Hund war mit circa 25 Kilogramm deutlich größer als in dem ersten Fallbeispiel. Er zeigte massives Speicheln, leichtes Zittern am ganzen Körper und leichte Gangbildstörungen. Der Hund hatte sich bereits erbrochen, und es fielen blaue Bestandteile darin auf. Er wurde mittels symptomatischer Therapie vor Ort versorgt, und die Symptome konnten schnell und erfolgreich kontrolliert werden. Im Anschluss war er klinisch stabil, bei gutem Allgemeinbefinden und zeigte keine weiteren Auffälligkeiten. In diesem Fall war ein Transport in eine Tierklinik zur weiteren stationären Behandlung nicht nötig, und er konnte zu Hause bei seinen Besitzern bleiben. Die Ausprägung der klinischen Symptomatik ist individuell unterschiedlich und hängt vor allem von der aufgenommenen Giftstoffmenge im Verhältnis zur Größe des Tieres ab. Die Gefahr für das Tier ist bei unbekannter Mengenaufnahme schwer abzuschätzen.