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Magenaufgasung beim Kaninchen Vorsicht bei der Futterumstellung im Frühjahr

Ein Bericht von: Christoph Stiebritz aus tierpost 01/2016

Eine beim Kaninchen sehr häufig vorkommende Erkrankung, insbesondere im Frühjahr, ist die Magenaufgasung (Magentympanie) und sehr nah damit verwandt ist die Magenüberladung, welche sich rasch zur Magenaufgasung entwickeln kann.

Häufige Anzeichen für diese Erkrankungen sind Unruhe, Bewegungsunlust und Futterverweigerung.

Je nach Ausmaß der Erkrankung sind die Kaninchen durchaus in der Lage, ihre Schmerzen deutlich zu zeigen: Für starke Bauchschmerzen spricht z.B., wenn sie mit den Zähnen knirschen und ihre Hinterbeine weg strecken, um den Bauch zu entlasten; in ganz gravierenden Fällen wird sogar vom Trommeln mit den Hintergliedmaßen berichtet. Um zu verstehen wie es zu dieser Erkrankung kommen kann, muss man sich zuerst vor Augen führen, dass Kaninchen reine Pflanzenfresser sind und ihr Verdauungstrakt entsprechend anders aufgebaut ist als bei reinen Fleischfressern (Katze) oder Allesfressern (Schwein, Mensch). Allein der Blinddarm ist beim Kaninchen so groß, dass er 40% des Magen-Darm-Traktes ausmacht; der Blinddarm des Meerschweinchens schafft es nebenbei gesagt auf 65%. Die Ursache für den stark ausgeprägten Darmabschnitt liegt in seiner Aufgabe als „Gärkammer“: In dieser „Gärkammer“ findet schließlich die eigentliche Verdauung mit Hilfe einer großen Menge Darmbakterien statt. Die Darmbakterien helfen dem Kaninchen dabei, die Nahrungsbestandteile soweit zu zersetzen, dass die enthaltenen Nährstoffe anschließend über die Darmwand ins Blut gelangen können. Als Gegenleistung erhalten die Bakterien einen Teil der Nährstoffe, um selbst überleben zu können.

Die Anatomie von Magen und Darm sind bei Kaninchen beachtenswert

Neben dieser Besonderheit bei der Verdauung des Kaninchens ist auch die Anatomie von Magen und Darm beachtenswert, denn Kaninchen haben eine nur sehr schwach ausgebildete Muskulatur des Magens und des Darmes. Die bei allen anderen Haustieren gut ausgebildete Muskulatur sorgt normalerweise für die Bewegungen des Magens und des Darmes, damit der Nahrungsbrei durch den Verdauungskanal befördert werden kann. Deshalb ist das Kaninchen auf eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme angewiesen, um den Inhalt von Magen und Darm durch neu aufgenommenes Futter weiterzuschieben. Wenn es jetzt allerdings zu Behinderungen im Weitertransport kommt oder Kaninchen aufgrund von Bauchschmerzen die Nahrungsaufnahme verweigern, beginnt ein „Teufelskreislauf“: Das anfangs noch aufgenommene Futter führt vor einer Verstopfung zu einer immer größer werdenden Ansammlung von Futterbrei. Grund für eine solche Verstopfung des Darmkanals können verschluckte Fremdkörper, kleine Bälle aus Futterbestandteilen oder Haaren sein; bei älteren Tieren ist jedoch auch immer an einen Darmtumor zu denken, der den Weitertransport verhindern kann. Der sich ansammelnde Nahrungsbrei beginnt an falscher Stelle zu gären und anschließend kommt es zur Ansammlung von großen Gasmengen in Magen und Darm. Die Tiere stellen schmerzbedingt rasch die Futteraufnahme ein. Erschwerend kommt hinzu, dass Kaninchen nicht erbrechen können, und auch das Gas kann nicht „abgerülpst“ werden. Zögern Sie in solchen Momenten daher nicht, uns zu kontaktieren oder mit Ihrem Tier zum Haustierarzt zu gehen, da ein solcher Zustand schnell diagnostiziert werden muss. Nur so kann die erforderliche Therapie, gegebenenfalls auch chirurgisch, eingeleitet werden! Beispielhaft dafür sind Fütterungsfehler durch plötzliche Umstellungen der Ernährung: So können blähendes Futter wie Kohl, aber auch größere Mengen junges Gras im Frühjahr bei fehlendem Heuangebot ursächlich sein. Durch diese kommt es zu Änderungen in der Darmflora, da sich gasbildende Bakterien nun besonders wohl fühlen und sich explosionsartig vermehren und große Gasmengen produzieren, dies führt unweigerlich zu stärken Bauchschmerzen und die Futteraufnahme wird verweigert.

Die Tierrettung empfiehlt deshalb im Frühjahr, die Tiere wieder langsam an frisches Grün zu gewöhnen. Dies sollte über mindestens eine Woche geschehen. Dazu ist es nützlich mit kleinen Portionen zu beginnen und diese zum normalen Futter zu reichen. Dabei können Sie die Menge langsam steigern, bevor Sie die Tiere wieder im Garten auf Ihrer Wiese fressen lassen. Wichtig bleibt jedoch immer das ausreichende Angebot von Heu und Wasser.

Neben einer ausführlichen Allgemeinuntersuchung, die auch das Abtasten des Bauches beinhaltet, sollten auch Röntgenbilder gemacht werden, um die Verstopfung und deren Ursache sicher abzuklären. Röntgenbilder sind insbesondere deshalb von großer Bedeutung, da Magenaufgasungen auch anders als bisher beschrieben entstehen können.