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Wenn aus Spiel Ernst wird... Stöckchen werfen

Ein Bericht von: Dr. Sylvia Haghayegh

Hier möchte ich von einigen Fällen berichten, die beim Spielen mit einem Stöckchen vorgekommen sind. Solche Unfälle passieren leider immer wieder. Im Vorbeigehen findet der Hund einen Stock, kaut darauf rum oder fordert seinen Besitzer zum Werfen auf. Schon kann das Unglück seinen Lauf nehmen.

Eine große Gefahr beim Spiel mit einem Stöckchen ist, dass die Rinde Absplittern kann. Die Maulschleimhaut ist sehr weich und empfindlich und so ein Splitter kann sich mit Leichtigkeit ins Gewebe einbohren. Dies kann zu kleineren Verletzungen im Maulbereich führen, die sich manchmal erst Tage später bemerkbar machen.

Ein junger acht Monate alter Malteser kaute auf einem Stöckchen. Plötzlich wurde er unruhig, würgte und geriet in Panik. Die Besitzerin hatte das Gefühl als würde er keine Luft mehr bekommen und würde ersticken. Sie rief die Tierrettung an und bat um sofortige Hilfe. Ein Stöckchen hatte sich zwischen den hinteren Backenzähnen des Oberkiefers verkeilt. Mit einem Nadelhalter habe ich das Stöckchen gut fassen und auch gleich entfernen können. Dem Hund konnte ich hier schnell helfen. Eine Schmerzmedikation oder Klinikfahrt war hier nicht notwendig und blieb dem Patienten erspart. Solchen Patienten können wir vor Ort schnell helfen, mit einer geeigneten Klemme oder einer kräftigen langen Pinzette lässt sich der Fremdkörper gut aus dem Maul entfernen.

Ein Stock im Rachen

Frauchen hatte einen Stock geworfen, den der Hund natürlich mit Freude gefangen hat. Doch dabei hat sich der Stock in die Maulschleimhaut eingebohrt, an der linken Seite des Maules, den Rachen entlang. Da der Hund heftige Abwehrbewegungen und Erstickungsanfälle zeigte, zog die Besitzerin reflexartig am Stock und entfernte ihn noch direkt an Ort und Stelle. Da es anschließend aus der Wunde stark blutete, rief sie die Tierrettung an und bat um sofortige Hilfe. Die Blutung kam zum Glück zum Stillstand, jedoch die Lokalisation und die Art der Verletzung machte eine Chirurgische Revision in Vollnarkose notwendig. Der Hund wurde von mir mit Schmerzmittel versorgt und in die nächste Tierklinik gebracht. Die Herausforderung bei dieser Operation war der sehr schwer zugängliche Hals- und Rachenbereich.

Die Überraschung befand sich im Gebüsch

Ein Hund rannte am Waldrand ins Gebüsch und schrie plötzlich laut auf. Beim Herauskommen aus dem Gebüsch lahmte er deutlich und wollte kaum mehr laufen. Erst nach dem zweiten Blick bemerkten die Besitzer das Malheur. Er hatte sich einen langen Ast in die Achselhöhle eingerammt. Der Ast war sehr spitz und morsch, so dass er die Haut durchstoßen und sich im Unterhaut- und Fettgewebe in einer Länge von mind. 12 cm weiter vorgeschoben hatte. Wie durch ein Wunder hatte der Stock keine größeren Gefäße verletzt und blieb außerhalb des Brustkorbes stecken. Der Hund wurde von mir mit Schmerzmittel versorgt und in die nächste Tierklinik zur chirurgischen Versorgung gebracht. Bei dieser Verletzung musste der Wundbereich unter Vollnarkose revidiert werden, d.h. die Haut im Verletzungsbereich wurde großzügig eröffnet, der ganze Wundbereich wurde von Fremdmaterial, Schmutz und Holzsplittern befreit und nach einer gründlichen Wundreinigung chirurgisch versorgt.

Diese Fälle zeigen, wie gefährlich es werden kann, wie aus einem zuerst unbeschwerten Spiel mit einem Stock, ein schwerer – und oft lebensgefährlicher – Unfall werden kann. Des halb sollte man möglichst immer zu artgerechtem Hunde- oder Katzenspielzeug greifen.