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Entenbrutzeit

Ein Bericht von: atgeber Wildtiere Dr. Silvia Haghayegh und Daniel Prengel

In unseren Großstädten wird die Nistplatzsuche unserer heimischen Vögel zunehmend schwieriger. Ist ein Balkon schön begrünt, so wird dies von den heimischen Vögeln nicht lange unbemerkt bleiben.

Vögel nehmen fast jede grüne Oase, und sei sie noch so klein, dankbar an. Als gutes Beispiel für ein derartiges Verhalten dienen die Enten. Grüne Hinterhöfe, dicht bepflanzte Flachdächer oder Dachterrassen werden von diesen Wasservögeln gerne als Brutplatz angenommen.

Üblicherweise bevorzugen es die Enten, ihr Gelege versteckt in der üppigen Vegetation des Ufers zu bauen. In einer Großstadt wie München bieten die schmalen Uferstreifen rund um die künstlich angelegten Gewässer jedoch keine geeigneten Nistmöglichkeiten mehr. So suchen die Enten nach Ausweichmöglichkeiten für ihre Brutplätze, wie zum Beispiel auf einem begrünten Balkon. Gerne rufen dann Tierfreunde bei der Tierrettung München an und melden aufgrund ihrer falschen Einschätzung ein verletztes oder verirrtes Entenpärchen. Jedes Jahr werden deshalb häufig unnötige Einsätze der Tierrettung München gefahren.

Nach einer Brutdauer von 22-27 Tagen, schlüpfen dann acht bis zwölf quirlige Jungen. Sie sind typische Nestflüchter. Mit offenen Augen kommen sie zur Welt, sind mit einem kompletten Daunenkleid ausgestattet und laufen schon am ersten Tag aktiv den Eltern hinterher. Sie nehmen von Anfang an schon ihre Nahrung selbstständig auf. Sieben Wochen lang werden die Küken von der Mutter betreut und geführt, erst danach sind sie flugfähig und kommen alleine zurecht. Ihre Nahrung besteht aus Wasserpflanzen, Grünzeug, Sämereien, Würmern, Krebsen, Insekten und deren Larven. Sie finden also ihre Nahrung in und am Wasser. Zur Nahrungssuche ruft die Entenmutter die Kleinen zusammen und sie begeben sich gemeinsam an nahe gelegene Wasserflächen. Dabei müssen die Entenfamilien oftmals stark befahrene Straßen überqueren. Hat eine Ente nun auf einem Flachdach gebrütet, werden die Entenjungen bei ihrer ersten großen Wanderung allesamt in die Tiefe stürzen. Die Höhe des Hauses wird ausschlaggebend sein, ob die Kleinen den Sturz unbeschadet überleben oder nicht.

Die Tiere sind körperlich so gebaut, dass sie Sprünge aus einer gewissen Höhe unverletzt überstehen können. Befinden sich die Küken im ersten Stock, so kann man sie guten Gewissens ziehen lassen. Brüten die Enten in höheren Etagen, muss zunächst das Muttertier zeitnah nach dem Schlüpfen der Küken mit einem großen Tuch eingefangen werden. Die Küken lassen sich danach leichter einfangen. Elterntier und Küken sollten dann in einem verschließbaren Karton an die nächstgelegene, möglichst ungestörte Wasserstelle gebracht werden. Sollte die Enten-Mama bei oben beschriebenen Aktionen wegfliegen, stellen Sie den Karton mit den Jungen unten angekommen auf den Boden. Das Gezeter der Küken wird die Entenmutter anlocken. Nun können sie mit dem Karton zum nächsten Gewässer gehen und das Muttertier wird Ihnen folgen. Taucht die Entenmutter aus irgendeinem Grund nicht mehr auf, so müssen die Küken für die nächsten sechs bis sieben Wochen in eine Pflegestation gegeben werden. Auf keinen Fall dürfen sie sich selbst überlassen bleiben.

Die aktion tier-tierrettung münchen rät deshalb:

Wenn Sie eine Ente auf Ihrem Balkon beobachten, so gestalten Sie den Aufenthalt so „unangenehm“ wie möglich. Gehen Sie häufig auf den Balkon, bieten Sie keine Nischen wie Blumentöpfe oder ähnliches und FÜTTERN SIE NICHT.

Sollten bereits Eier gelegt worden sein, so dürfen Sie die Tiere auf keinen Fall bei ihrer Brut stören. Dies ist sogar per Gesetz (Bundesnaturschutzgesetz) verboten.