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Fliegende Mäuse Fledermaus gefunden – was tun?

Ein Bericht von: Nora Rainer

Sie finden tagsüber eine flugunfähige Fledermaus auf dem Boden und wissen nicht, was zu tun ist? Dies wollen wir mit diesem Artikel ändern! Viele Menschen haben noch nie eine Fledermaus aus der Nähe gesehen, dabei leben 23 verschiedene Fledermausarten in Bayern. Das liegt unter anderem daran, dass Fledermäuse nachtaktiv sind und tagsüber versteckt in Baumhöhlen oder auf Dachböden oder in Mauerspalten leben.

Fledermäuse sind die einzigen flugfähigen Säugetiere, die aktiv fliegen können und nicht nur gleiten. Die Paarung findet bei Fledermäusen im Herbst/Winter statt. Dabei speichern die Weibchen das Sperma über den Winterschlaf in der Gebärmutter. Die Befruchtung der Eizellen findet dann im Frühjahr statt. Die Mehrzahl der Jungtiere wird abhängig von der Tragzeit der verschiedenen Arten dann Ende Mai bis Anfang Juni geboren. Ein Weibchen bringt pro Jahr nur ein Jungtier zur Welt. Die Weibchen bilden dann eine eigene Kolonie, die so genannte Wochenstube, wo die Jungtiere großgezogen werden. Dabei versorgt die Mutter nur ihr eigenes Jungtier mit Muttermilch. Mit etwa drei bis vier Wochen können die Jungtiere dann selber fliegen und jagen. Die Männchen leben entweder als Einzelgänger oder bilden Männchenkolonien.

Findlinge können oft zur Mutter zurückgebracht werden

Finden Sie nun eine flugunfähige Fledermaus, so ist zuerst zu klären, ob es sich um ein flugunfähiges Jungtier oder aber um eine verletzte oder geschwächte Altfledermaus handelt. Flugunfähige Jungtiere können im Zeitraum von Ende Mai bis August auftreten. Ist das Tier nackt und hat die Augen noch geschlossen, so ist leicht zu erkennen, dass es sich um ein Jungtier handelt – diese Tiere sind immer auf Milch (niemals mit Kuhmilch füttern!) angewiesen und sollten an Fachleute übergeben werden. Wichtig dabei ist, sich den Fundort genau zu notieren, da oft die Möglichkeit besteht, dass sich das Quartier des Jungtiers in unmittelbarer Nähe befindet. Findlinge können dann oft zurück zur Mutter gebracht werden.

Bei Tieren, die behaart sind, ist dies etwas schwieriger. Um zu testen, ob eine Fledermaus fliegen kann, sollte man sie an einer leicht erhöhten Stelle absetzen und zuerst beobachten. Wichtig dabei ist, dass die Fledermaus aktiv herumklettert und nicht mehr geschwächt ist – vorheriges Aufwärmen und ggf. Füttern ist daher ratsam. Der Raum sollte so groß sein, dass das Tier etwa 5 bis 7 Meter fliegen kann, um das Flattern eines halbflüggen Jungtiers vom aktiven Umherfliegen eines erwachsenen Tieres zu unterscheiden. Handelt es sich um ein gesundes Alttier, so sollte dieses problemlos vom Boden starten und ein paar Runden fliegen können. Flugunfähige Tiere, welche zwischen April bis Oktober gefunden werden, sollten im Anschluss auf offensichtliche Verletzungen untersucht werden – dies könnten zum Beispiel gebrochene Gliedmaßen oder Verletzungen der Flughäute sein. Sind die Tiere unverletzt und erwachsen, so können diese aufgrund von Nahrungsmangel geschwächt sein. Diese Tiere kann man anfüttern und tränken. Hierzu eigenen sich Fliegen oder Motten oder aber Mehlwürmer aus dem Zoohandel. Sollte eine längere Fütterung notwendig sein, so sind Fachleute hinzuzuziehen. Wenn das Tier wieder zu Kräften gekommen ist, kann es an warmen Tagen bei Dämmerung möglichst am Fundort wieder auswildert werden. Halbflügge, unverletzte Jungtiere sollten ebenfalls gefüttert und getränkt werden. Es kann versucht werden, die Tiere wieder zur Kolonie, aus der sie stammen, zurückzubringen, falls diese bekannt ist. Ist dies nicht der Fall, so müssen sie zur Aufzucht an Fachleute übergeben werden. Handelt es sich um verletzte Tiere, so sind ebenfalls immer Fachleute hinzuzuziehen.

Tiere, die zwischen November und Mitte März gefunden werden, befinden sich im Winterschlaf. Diese Tiere fühlen sich meist kalt an. Sie sollten nicht untersucht werden, sondern an Fachleute übergeben werden und bis zur Wiederansiedelung an einem kühlen Ort gehalten werden. Werden die Tiere dabei wach, so sollten sie auf jeden Fall gefüttert und getränkt werden, da sie durch das Aufwärmen viel Energie verbraucht haben.

Achtung – wichtig im Umgang mit Fledermäusen

Fledermäuse können Träger von Tollwutviren sein! Beim Umgang mit Fledermäusen sollten daher immer dicke Handschuhe getragen werden, um sich vor etwaigen Bissen zu schützen. Wird man dennoch gebissen, so muss immer ein Arzt konsultiert werden!