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Hunde im Alter

Ein Bericht von: Dr. Hannes Wendt

Wie die schnell zunehmende Lebenserwartung des Menschen hat auch die des Hundes stark angestiegen. Der Anteil alter Hunde beträgt heute ca. 40% der Gesamthundepopulation. Es ist jedoch grundlegend festzuhalten, dass Alter keine Krankheit ist, sondern ein biologischer Prozess.

Grundsätzlich gibt es viele Gemeinsamkeiten aber auch einige Unterschiede zwischen menschlichen Senioren und dem Hunde-Senior.

Fast alle Hunde über neun Jahren haben z. B. Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) oder Bluthochdruck aber anders als beim Menschen sind solche Erscheinungen meist symptomlos. Altersbedingte Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall werden nur wenig diagnostiziert, kommen aber auch anders als bei alten Menschen wenig vor. Doch auch beim Hund sollte man als Besitzer auf einige Dinge achten:

1. Ernährung

Wie es für den Menschen im Restaurant den „Senioren-Teller“ gibt, so können sich auch die Futterbedürfnisse alter Hunde ändern. Da Hunde im Alter in der Regel schneller ermüden oder altersbedingte Probleme mit ihrem Bewegungsapparat haben, werden die Gassi-Runden oft kürzer gehalten, da das Bewegungsbedürfnis sinkt. Aufgrund des niedrigeren Energiebedarfs werden viele Hunde dick. Dies führt wiederum wie in einem Teufelskreislauf dazu, dass sich z.B. bestehende Erkrankungen von Gelenken oder Organen durch ein zu hohes Körpergewicht weiter verschlimmern. Die meisten Fertigfutter sind für wachsende oder junge ausgewachsene Hunde zusammengestellt und entsprechen nicht dem Bedarf alter Hunde. Daher kann die Futterration und damit die Energiezufuhr bei zu Übergewicht neigenden Hunden um ca. 15% reduziert werden. Eine Alternative stellt die Fütterung eines Senioren-Futters dar. Eine Verteilung der Tagesration auf 2-3 Fütterungen ist grundsätzlich anzuraten.

Da Senioren oft zu wenig trinken, kann man das Futter mit etwas warmem Wasser aufgießen, was gleichzeitig den Appetit anregt, da das Futter dadurch intensiver duftet. Sollte der Senior trotz solcher Maßnahmen weniger fressen oder sogar abmagern, kommt neben vielen Organerkrankungen v.a. ein schlechtes Gebiss als Ursache in Frage. Schmerzen bei der Futteraufnahme zeigen sich oft dadurch, dass das Futter zwar aufgenommen wird aber dann teilweise wieder aus dem Maul fällt oder ausgespuckt wird. Insofern ist es gerade bei älteren Hunden wichtig sie im Hinblick auf Gebiss- und Maulhöhlenerkrankungen regelmäßig dem Tierarzt vorzustellen.

2. Bewegung

Wie auch bei älteren Menschen nimmt bei Hunden die Muskelmasse ab, wodurch die Leistungsfähigkeit reduziert ist. Des Weiteren entwickeln Senioren häufig Arthrosen in verschiedenen Gelenken. Aufgrund solcher Alterserscheinungen sollte auch die tägliche Bewegung angepasst werden. Man kann die Spaziergänge auf ca. 15-20 Minuten verkürzen, dafür etwas häufiger (4-5 Mal) aus dem Haus gehen. Häufiges Treppenlaufen sollte vermieden werden. Falls Arthrosen oder andere chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates bereits zu Schmerzen führen, kann eine dauerhafte Schmerztherapie in Betracht gezogen werden. Dies sollte allerdings erst nach genauer Untersuchung durch einen Tierarzt und dementsprechend Beratung geschehen, da nicht jedes Schmerzmittel bei jedem Hund eingesetzt werden sollte.

3. Verhalten

Manche Sinnesleistungen lassen bei Senioren nach: man hört nicht mehr so gut oder sieht schlechter. In jedem Fall sollte durch den Tierarzt die Ursache hierfür abgeklärt werden. Häufig sind solch bemerkbare Erscheinungen Anzeichen für andere bestehende Erkrankungen. So findet sich z.B. ein grauer Star oft in Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung. D.h. man sollte viele Symptome nicht nur als Alterserscheinung abtun, sondern auch bei Senioren eine eventuell zugrunde liegende Erkrankung behandeln lassen. Aufgrund solcher Sinneseinschränkungen kann sich auch das Verhalten älterer Tiere verändern. Wenn sie weniger sehen oder hören, werden sie schreckhaft oder unsicher. Darauf sollte je nach Sinneseinschränkung reagiert werden. So sollte man bei tauben Hunden darauf achten langsam in das Gesichtsfeld zu gehen und nicht plötzlich hinter der Tür hervorzuspringen. Bei Hunden mit Sehschwäche sollte vermehrt mit der Stimme gearbeitet werden, um dem Senior eine Grundsicherheit zu vermitteln.

Verhaltensänderungen können auch bei altersbedingter Senilität beobachtet werden. Ähnlich der humanen Senilität wird der Geruchs- und/oder Sehsinn schwächer; die Tiere verlieren ihren üblichen Schlafrhythmus; es kann zu senilem Zittern kommen; neurologische Reflexe sind reduziert; zunehmende Orientierungslosigkeit macht sich bemerkbar. Ob das Fortschreiten einer Senilität mit Medikamenten verlangsamt werden kann, wird kontrovers diskutiert, sollte aber mit dem Haustierarzt besprochen werden. Doch jeder Besitzer sollte Senioren auch im Alter noch „trainieren“ und fordern. So sollte z.B. nicht immer der gleiche Weg für den Spaziergang genutzt, sondern gerade im Alter alternative Routen gewählt werden. Ebenso können neue Kunststücke beigebracht oder Futter zur Suche versteckt werden. Der für den Hund sehr wichtige Geruchssinn sollte immer wieder stimuliert werden, indem man den Senior mit neuen Gerüchen (Gewürze, Holz etc.) in Berührung bringt.

Regen Sie die Sinne ihrer Senioren weiter an, denn Alter ist keine Krankheit!