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Ungeliebte Tiere

Das Problem der ausgesetzten Tiere ist vielfältig: Katzen, die beim Umzug einfach zurückbleiben, Wasserschildkröten, die im Botanischen Garten ausgesetzt werden, wenn nicht sogar in einem heimischen See – man denke an den Fall der Schnappschildkröte in einem Bayerischen See – Zwergkaninchen in den Münchner Parks, so wie letzte Woche.

Von Dr. Birgit Schwarzmann. Da trafen zwei junge Damen im Ostpark auf so ein beigefarbenes Langohr. Da dieses nicht gerade nach Rosen duftete und im Bereich des Hinterteiles verklebt war, vermuteten sie eine Durchfallerkrankung und riefen den roten Rettungswagen. Bei meiner Ankunft musste ich feststellen, dass es sich um ein trächtiges weibliches Tier handelte welches gerade ihre Jungen verlor. Einen toten Fötus gebar sie noch in der Wohnung der Finderin, weitere kamen in der Chirurgischen Tierklinik der Universität zur Welt. Dort stellte sich bei den Folgeuntersuchungen heraus, dass die Nieren des Tieres nicht mehr funktionstüchtig waren, eine war bereits so verkümmert, dass sie am Röntgenbild kaum mehr zu sehen war. Zudem kam aus den hinteren Gesäugekomplexen keine Milch, sondern purer Eiter, also auch noch eine abszedierende Gesäugeentzündung. Das Tier war wahrscheinlich wegen der Nierenproblematik zu teuer geworden und wurde in der Folge „in die Freiheit entlassen“. Dort traf sie dann einen netten Hasenmann und das Problem spitzte sich zu. In ihrer Not suchte sie dann doch wieder die Nähe des Menschen und deren Hilfe. Diese fand sie zwar, jedoch zu spät. Der Fall dieses Tieres endete tragisch.

Auch mit einem Meerschweinchen war ich schon konfrontiert, welches ein Waldarbeiter letzten Sommer bei Holzarbeiten im Wald fand. Auch dieses Tierchen war beim besten Willen in der Natur nicht überlebensfähig. Es hatte einen üblen Durchfall entwickelt, an der verklebten und entzündeten Haut im Afterbereich hatten Fliegen Hunderte ihrer Eier gelegt und es waren schon dutzende Maden geschlüpft, die das Tierchen ohne Behandlung im wahrsten Sinne des Wortes bei lebendigem Leib gefressen hätten. Dieser kleine Kerl hatte noch mal Glück, er konnte noch rechtzeitig von seinen unliebsamen Mitbewohnern befreit werden und fand im Kleintierhaus des Tierheimes ein neues Zuhause.

Letztes Jahr wurde die Polizei zu einem mit Geschirr und Leine an einem Baum gebundenen Kurzhaardackel gerufen. Da dieser einen sehr dikken Bauch hatte, obwohl man die Rippen zählen konnte, riefen sie uns zur Unterstützung. Das Dackelmädchen war ein richtiges Zuckerstückchen, doch der vor Ort im Revier von mir gestellte Verdacht auf einen Tumor im Bauchraum bestätigte sich in der Medizinischen Tierklinik der Universität. Von welchem Organ dieser ausging konnte durch die Ultraschalluntersuchung auch nicht geklärt werden, da es sich schon um eine riesige Masse handelte, die mit annähernd allem im Bauch verklebt zu sein schien. Das Dackelchen hatte Glück. Bereits bei der Erstuntersuchung verliebte sich eine Doktorandin in das reizende Tier, die Operation war lange und schwierig, aber auch diese überstand sie. Jetzt hat sie bei der Doktorandin ein neues, endgültiges Zuhause gefunden, denn die ist nicht bereit sich so schnell wieder von ihrer neuen Freundin zu trennen.

Aber sogar bei Fischen endet die Thematik nicht. Mitte Mai fischten wir am Schwabinger Wedekindplatz zwei Goldfische aus dem dortigen Brunnen. Ein junges Paar mit Kind hatte uns alarmiert. Mit Hilfe unseres Käschers war das Einfangen kein Problem und wir packten sie in einen unserer Plastiküberschuhe um sie in die nahegelegene Zoologie zu bringen. Wie ein Geschäftsanlieger treffend bemerkte, waren die Leute, die die beiden dort platzierten, wohl „bescheuert“. Die können da doch nicht überleben, das Wasser ist gechlort, die Leute werfen ihren Müll in den Brunnen usw. Er war so aufrichtig empört und um die Tiere besorgt, dass wir ihm, als er uns anbot, die beiden in den heimischen Gartenteich mitzunehmen, diese nur zu gerne übergaben. Es ist auch nicht richtig, die Tiere vorm nachts geschlossenen Tierheim abzustellen, aber sie einfach irgendwo abzuladen ist die denkbar schlechteste Lösung!