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Tickende Zeitbombe: Ein Zufallsbefund bei Burli

Von Malgorzata Horvath

Rettungseinsätze –

Burli, ein stattlicher Kater unbekannten Alters, lebte bei seinem Frauchen erst seit einem Jahr. Die ältere Dame hatte den Findling vom Tierschutz übernommen. Der Stubentiger hatte alles, was er zu seinem Glück brauchte und erfreute sich bester Gesundheit. Die katzenerfahrene Besitzerin beobachtete jedoch, dass Burli alle ihm angebotenen Kratzbäume verschmähte und schließlich auch immer wieder mit seinen wachsenden Krallen im Teppich hängen blieb.

Sie machte sich zurecht Sorgen, dass er sich dabei verletzt haben könnte. Als langjähriges Mitglied bei der Tierrettung bat die ältere Dame uns, ihn zu untersuchen und seine Krallen zu kürzen, weil sie ihn zu dem Zeitpunkt nicht selber zum Tierarzt bringen konnte.

Zu Hause war Burli entspannt und kooperativ. Der Stubentiger ließ sich seine Krallen ohne Probleme untersuchen und kürzen. Zum Glück waren alle dran und auch ohne Verletzungen. Da der letzte Tierarztbesuch wegen Burlis ausgezeichneter Gesundheit ja schon länger zurücklag, nutzten wir die Gelegenheit, um eine gründliche Allgemeinuntersuchung mit Abhören und Abtasten durchzuführen, was der freundliche Patient sichtlich genoss.

Glücklicherweise ließ Burli uns auch ungehindert in sein Mäulchen schauen, denn obwohl der gut gepflegte Hauskater sonst vollkommen gesund war, war es sein Zahnfleisch nicht. Wie bei vielen älteren Tieren waren vor allem an den Backenzähnen Zahnbeläge und Zahnstein zu sehen. Das Zahnfleisch war auf beiden Seiten relativ stark gerötet. Burli hatte als Reaktion auf die bakteriellen Beläge bereits eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die aufgrund bisher fehlender Symptome wie so häufig unbemerkt geblieben ist.

Wir rieten Burlis Frauchen bei dem Haustierarzt eine Zahnsanierung in Narkose durchführen zu lassen. Wird Zahnstein rechtzeitig gründlich entfernt bevor der Zahnhalteapparat angegriffen ist, so kann eine Zahnfleischentzündung auch völlig ausheilen. Wird sie lange nicht bemerkt und nicht behandelt, ist sie eine tickende Zeitbombe, die sich von einem schleichenden Prozess zu einem plötzlichen Notfall entwickeln und auch zu ernsthaften Organschäden durch Keimverschleppung über die Blutbahn führen kann. Deshalb ist es wichtig sein Haustier auch bei bester Gesundheit mindestens einmal jährlich tierärztlich untersuchen zu lassen, genauso wie es Burlis Frauchen gemacht hat.