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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage… und fragen Sie Ihren Tierarzt!

Rettungseinsätze –

Anfang Januar sauste wieder einmal der Rettungswagen unserer Tierrettung durch München, diesmal auf dem Weg zur Tierklinik der LMU. An Bord unseres Rettungswagens: Assistentin Anna Horbelt, Tierärztin Sanja Marmodèe und Katze Minky (Name von der Redaktion geändert). Die Eile des Tierrettungsteams hatte natürlich auch diesmal einen triftigen Grund: Auf Minkys zarter Katzennase starb Zusehens das Gewebe ab.

Alles hatte mit einem kleinen, schwarzen Punkt auf Minkys Nase angefangen. Nun konnte man buchstäblich dabei zusehen, wie dieser sich vergrößerte und die empfindliche Katzennase zunehmend beschädigt wurde. Die Nase ist für Katzen ein besonders wichtiges Sinnesorgan. Ihr Geruchssinn ist etwa dreimal so gut wie beim Menschen. Durch diesen erkennen sie zum Beispiel Artgenossen und setzen ihren Geruchssinn auch zur Kommunikation ein. Eine Einschränkung oder gar Zerstörung dieses Organs hätte schwerwiegende Folgen für das Tier.

Hauptziel war, das fortschreitende Absterben des Nasengewebes zu stoppen! Minky war ängstlich und konnte auch von ihrer Besitzerin nicht mehr eingefangen werden. Das Tier wurde vom Team der Tierrettung München mit Ruhe, aber Bestimmtheit eingefangen. Die klinische Erstuntersuchung beschränkte sich auf das Nötigste. Es wurde festgestellt, ob die Katze akut an Atemnot leidet oder sofort ein Medikament benötigt. Unter den gegebenen Umständen lag das Augenmerk natürlich auf der Nase und dem momentanen Zustand des Gewebes. Nachdem Minkys sonstiger Zustand stabil war, wurde sie ohne weitere Behandlung und sofort in die Kleintierklinik der LMU gebracht, damit dort schnellstmöglich eine umfassende Behandlung der Vergiftung eingeleitet werden konnte. Minkys Besitzerin war sehr dankbar für die schnelle Hilfe. In so kurzer Zeit hätte sie das verängstigte Tier sicherlich nicht in eine Klinik transportieren können, und in dieser Situation zählte unter Umständen jede Sekunde.

In der Medizinischen Kleintierklinik der LMU wurde Minky sofort auf die Intensivstation gebracht, und alle Untersuchungen wurden eingeleitet. Zusätzlich zu der in Mitleidenschaft genommenen Nase, zeigte Minky auch eine stark erhöhte Körpertemperatur von über 40°C. Der normale Wert für Katzen liegt bei 38-39°C. Eine Blutuntersuchung zeigt inwieweit die inneren Organe geschädigt sind. Außerdem muss auch eine endoskopische Untersuchung vorgenommen werden, damit tieferliegenden Schäden im Rachen, Luftröhre und Bronchen ausgeschlossen werden können. Des Weiteren müssen abgestorbene Areale an der Nase entfernt werden.

Aber wie war es denn nun dazu gekommen?

Katze Minky litt unter einer laufenden Nase, sie zeigte also ähnliche Symptome wie bei einem Katzenschnupfen. Von einem Human-Apotheker erhielt die besorgte Besitzerin eine Packung zur Floh- und Zeckenprophylaxe. In der Annahme, er hätte ihr dieses Mittel aufgrund der schnupfenden Nase ihrer Katze gegeben, wendet sie es auch direkt am Ort der Problematik an. Über zwei Tage hinweg träufelte sie das Präparat reichlich auf die Nase ihrer Katze, um dem Tier Linderung zu verschaffen. Soweit so gut. Doch schon bald sollte sich herausstellen, dass diese gut gemeinte Hilfe leider keine war. Minky reagierte nämlich auf die erste Behandlung zunächst mit starker Atemnot und folglich Maulatmung, was sich dann nach Aussage der Besitzerin aber wieder legte und sie fuhr mit ihrer Behandlung fort, indem sie auch am folgenden Tag dieselbe Menge auftrug. Tags darauf meldete sich die besorgte Besitzerin schließlich doch telefonisch bei der Tierrettung, weil die Symptome der Katze sich sogar noch verschlimmert hatten und dem Tier ständig die Nase lief. Hinzu kam ein schwarzer Punkt, der sich auf Minkys Nase gebildet hatte.

Anna Horbelt, die den Notruf entgegennahm, wurde sofort hellhörig, als sie von den Präparaten aus der Apotheke hörte, die nicht von einem Tierarzt verschrieben worden waren. Anhand der genauen Angaben zu den vom Apotheker abgegebenen Mitteln, die sie bei der Besitzerin hinterfragte, fand sie schnell heraus, worum es sich dabei handelte. Das Präparat, das die Tierbesitzerin für eine Nasenspülung gehalten hatte, enthielt eigentlich den Wirkstoff Fipronil – einigen Lesern ist dieses Mittel vielleicht durch den Fipronilskandal im Jahr 2017 bekannt, bei dem Rückstände dieses Insektizids in Hühnereiern gefunden wurden. Im Grunde ist gegen dieses Medikament nichts einzuwenden. Es wird bei Hunden und Katzen allerdings zur Floh- und Zeckenprophylaxe verwendet und keinesfalls wegen einer laufenden Nase! Bei fachgerechter Anwendung wird das Spot-on Präparat im Abstand von einigen Wochen auf den Rücken des Tieres aufgetragen (Peremethrinhaltige Floh- und Zeckenmittel, z.B. Expot, sind ausschließlich für Hunde geeignet und führen bei Katzen zu schwerer Vergiftungssymptomatik). Hierbei ist die Positionierung so zu wählen, dass das Tier das Medikament unter keinen Umständen oral aufnehmen kann oder es an Schleimhäute gerät. Beides ist bei einem Auftragen auf die Nase aber sehr wohl der Fall, und die empfindlichen Schleimhäute reagieren stark. Hinzu kommt, dass die verabreichte Menge bei der ersten Behandlung selbst bei richtiger Lokalisation bereits für einen großen Maine Coon Kater gereicht hätte und die Dosierung der zarten Minky durch die zweifache Behandlung deutlich überschritt.

Besser keine Selbstmedikation!

Grundsätzlich rät die Tierrettung München von einer Selbstmedikation bei Haustieren ab. Auch vermeintlich natürliche Hausmittel werden vom Tierkörper teilweise nicht gut vertragen. So können z.B. schon wenige Tropfen Teebaumöl bei einer Katze zu einer irreversiblen Vergiftung führen. Oder, wie bei Minky, ein Spot-on Präparat mit dem Wirkstoff „Fipronil“ bei falscher Anwendung das Gewebe absterben lassen. Neben der absoluten Unverträglichkeit einiger Wirkstoffe, gibt es darüber hinaus weitere Besonderheiten. So werden manche Präparate, die für Menschen gedacht sind, zwar auch bei Tieren eingesetzt, bei diesen aber gänzlich anders dosiert.

Die Tierrettung München ist 24 Stunden im Notfall erreichbar. Bevor Sie also zur nächsten Notapotheke eilen, um „auf gut Glück“ und „gut gemeint“ ihrem Tier zu helfen, rufen Sie bitte bei uns an. Wir helfen Ihnen und Ihrem Tier gern weiterohne Risiken und Nebenwirkungen.

Tatsächlich war die Ursache des anfänglichen Nasenausflusses nämlich Katzenschnupfen. Eine Erkrankung, die leicht vermeidbar gewesen wäre, wäre sie geimpft gewesen. Minky wurde allerdings seit sieben Jahren nicht mehr geimpft. Die Besitzerin hielt dies für nicht notwendig, da das Tier ausschließlich in der Wohnung gehalten wurde. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass auch Wohnungskatzen genau wie Freigänger geimpft werden sollten. Die meisten Erreger tragen wir Menschen an unseren Straßenschuhen in das Haus, sodass unsere Stubentiger, selbst wenn sie nur in der Wohnung leben, ohne eine Impfung vor gefährlichen Erkrankungen nicht geschützt sind. Minky hat die Erkrankung leider nicht überlebt. Sie musste von ihrem Leid erlöst werden.