Junges Igelmädchen – Gerettet von tierlieben Menschen

Anfang Oktober bekamen wir einen der zahlreichen Herbstanrufe von einem Igelfnder. Der Herr war Dackelbesitzer und hatte beim Aufräumen im Garten einen kleinen Igel entdeckt, der nur halb eingerollt reglos auf dem Rücken lag. Ein paar Fliegen schwirrten um das Tierchen herum und man sah nur an den Atembewegungen, dass der kleine Igel noch lebte. Der tierliebe Finder verscheuchte die Fliegen, legte den Kleinen in einen Karton und rief uns sofort an.
Normalerweise ist die wichtigste lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahme, die wir meistens für geschwächte und unterkühlte Igel, und Tiere allgemein, empfehlen: Wärme. Leider begünstigt Wärme auch das Schlüpfen von Maden aus Fliegeneiern, wenn sich welche bereits auf einem Tier befnden. Fliegeneier oder Maden sollten deshalb unbedingt so zeitnah wie möglich abgesammelt werden, um zu verhindern, dass geschlüpfte Maden in Körperöffnungen des Tieres gelangen, was sein Todesurteil bedeuten würde.
Deshalb baten wir den Anrufer den Kleinen möglichst gleich in eine nahegelegene Tierarztpraxis, in die Wildtierstation des Tierheims oder in unsere Dienststelle zu bringen. Wir warteten dort gerade auf einen verletzten Vogel und konnten den Igel auch gleich tierärztlich versorgen. Der ältere Herr hatte leider gerade selber kein Auto. Er mobilisierte jedoch seine Schwester, die ihn abholen und mit dem Schützling zu uns bringen konnte.
Wir führten sofort eine Notfalluntersuchung durch, während der Finder unser Formular ausfüllte. Es handelte sich um ein kleines Igelmädchen, das noch zu jung war, um alleine überleben zu können. Es war apathisch, unterkühlt, dehydriert und zu dünn für sein Alter. Es wog nur 98 g. Es hatte kaum sichtbar Fliegeneier unter den Achseln und im Fell am Bauch, die wir sofort mit einem Flohkamm entfernten.
Der Finder war erleichtert und zu Tränen gerührt, dass er es rechtzeitig geschafft hat und das Tierchen noch eine Überlebenschance hatte und bedankte sich bei uns mit einer großzügigen Spende. Bei einem sofort anschließenden zweiten Untersuchungsgang fanden wir noch weitere versteckte Fliegeneier über den Augen und am Hals und entfernten auch diese.
Nachdem das Igelmädchen fiegeneierfrei war, wurde es von uns aufgewärmt und bekam eine Infusion. Einige Zeit später war die kleine Patientin relativ munter und hatte zu unserer Freude großen Appetit. Am nächsten Tag wog sie 15 g mehr. Wir konnten sie im stabilen Zustand zur weiteren tierärztlichen Versorgung und einer Untersuchung auf Endoparasiten in die Klinik für kleine Säuger in Oberschleißheim bringen. Von dort aus wurde sie zur Pfege bis zur Auswilderung an die Wildtierstation des Tierheims abgegeben. Wie in vielen anderen Fällen hat auch hier das engagierte Handeln von tierlieben Menschen ein Leben gerettet.


