Sensibler Kater mit Bauchweh
Wenn der geliebte Stubentiger plötzlich Durchfall und Erbrechen zeigt, ist die Sorge groß. So ging es auch der Besitzerin von Bommel, einem zehn Jahre alten, männlich kastrierten Britisch Kurzhaar Kater.
Die Besitzerin berichtet, dass Bommel seit etwa 24 Stunden wiederholtes Erbrechen und Durchfall zeigt. Am Morgen entdeckt sie außerdem einmalig eine geringe Menge Blut im Stuhlgang. Bommel zeigt einen reduzierten Appetit und auch die Wasseraufnahme ist leicht vermindert. Er scheint sich sichtlich unwohl zu fühlen.
Die klinische Untersuchung von Bommel ergab einen insgesamt stabilen Allgemeinzustand. Bommel war aufmerksam und kreislaufstabil. Herzfrequenz, Auskultationsbefund, Schleimhautfarbe, Atmung und Pulsqualität lagen im physiologischen Bereich. Die Palpation des Abdomens, also das vorsichtige Abtasten des Bauchraumes, war für Bommel deutlich unangenehm. Konkrete Hinweise auf einen Fremdkörper oder eine tastbare Raumforderung ergaben sich jedoch zum Glück nicht. Klinisch konnte außerdem ein leichter Flüssigkeitsmangel festgestellt werden, vermutlich infolge von Erbrechen, Durchfall und reduzierter Wasseraufnahme.
Vorberichtlich war die Besitzerin mit Bommel einige Tage zuvor zur Vorsorgeuntersuchung beim Haustierarzt. Klinische Symptome hatte er damals noch nicht. Es wurden eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes sowie eine Echokardiographie, eine Herzultraschalluntersuchung, durchgeführt. Beide Untersuchungen waren laut Besitzerin erfreulicherweise ohne pathologischen Befund. Allerdings war der Tierarztbesuch für den sehr sensiblen Kater wohl mit erheblichem Stress verbunden.
In Absprache mit der Besitzerin wurde eine symptomatische Therapie eingeleitet.
Bommel erhielt ein Antiemetikum gegen Übelkeit und Erbrechen sowie eine analgetische Medikation gegen Bauchschmerzen. Zusätzlich wurde eine leicht verdauliche Schonkost in kleinen, über den Tag verteilten Portionen empfohlen. Besonderer Fokus lag außerdem auf einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme. Zudem gibt einige Warnsymptome, auf die man achten sollte. Dazu zählen anhaltendes oder zunehmendes Erbrechen, blutige Durchfälle, Apathie, vollständige Futterverweigerung, ausgeprägte Dehydratation oder Schmerzen. In solchen Fällen sollte zeitnah ein Tierarzt aufgesucht werde. Parallel haben wir zu einer Sammelkotprobe über drei aufeinanderfolgende Tage für eine Kotuntersuchung geraten. Damit können parasitäre Erreger wie Spulwürmer, Hakenwürmer oder Giardien nachgewiesen werden. Bommel wurde bereits seit längerer Zeit nicht mehr entwurmt, und dies ist eine einfache und für den Kater stressfreie Möglichkeit, eine mögliche Ursache abzuklären. Auch bei einem reinen Wohnungskater wie Bommel ist die Endoparasitenkontrolle wichtig. Wohnungskatzen können sich zum Beispiel über kontaminierte Schuhe, Pflanzen, Insekten oder rohes Fleisch infizieren.
Es gibt viele weitere mögliche Ursachen für eine Magen-Darm Problematik. Eventuell könnte die vorangegangene Stresssituation bei einem sensiblen Kater wie Bommel mitgewirkt haben. Über neuroendokrine Mechanismen, insbesondere die Aktivierung der Hypothalamus Hypophysen Nebennieren Achse, kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Diese beeinflussen Motilität, Schleimhautdurchblutung und Darmbarriere. Die Folge können Erbrechen, Diarrhoe und auch eine leichte Hämatochezie sein. Differentialdiagnostisch kommen außerdem Futterunverträglichkeiten, bakterielle oder virale Infektionen, die bereits erwähnten Parasitosen, sowie eine Pankreatitis in Frage. Auch systemische Erkrankungen wie eine beginnende chronische Nierenerkrankung oder eine Hyperthyreose können gastrointestinale Symptome verursachen. Sollte innerhalb weniger Tage keine deutliche Besserung eintreten oder sich der Zustand verschlechtern, ist eine Blutuntersuchung und gegebenenfalls weitere Diagnostik indiziert.
Im Fall von Bommel besteht aufgrund des stabilen Allgemeinzustandes und der milden Befunde eine gute Prognose. Akute, stressassoziierte oder selbstlimitierende Gastroenteritiden sprechen häufig rasch auf eine unterstützende Therapie und angepasstes Fütterungsmanagement an.



